Hi! 😀
Im letzten Jahr gab es viele Berichte über Vandalismus verschiedenster Art in den Bergen, die mich persönlich sehr schockiert und nachdenklich gemacht haben. Dabei ist mir aufgefallen, dass auch DF und ich immer häufiger auf erschreckend rücksichtslose Menschen am Berg getroffen sind. 😓
Dieser Beitrag soll keine speziellen Leute an den Pranger stellen, aber ich möchte ein paar Beispiele nennen, die DF und ich live erlebt haben - und die sich leider lückenlos in viele andere Geschehnisse in der Bergwelt oder selbst in unserem heimischen Mittelgebirge einreihen. Ich möchte Erlebnisse teilen und euch gerne einladen das auch zu tun - damit wir alle wieder etwas mehr darüber nachdenken, was am Berg wirklich zählt und warum wir dort hingehen. 😊
Ich werde verschiedenen Punkte, die mir aufgefallen sind nach Möglichkeit thematisch gliedern, damit es kein allzu großes Durcheinander gibt. Aber seht es mir bitte nach, falls es mir nicht vollständig gelingt. 😅
1) Mutwillige Zerstörung/Vandalismus
In den Jahren 2024 und 2025 gab es vermehrt Berichte über sinnlose Zerstörungswut am Berg. Einen anderen Grund kann es nicht geben, wenn beispielsweise das Watzmannlager am Hocheck mit Gewalt aufgebrochen und schwer beschädigt wird. Genauso wenig nachvollziehbar ist für mich das Vermüllen von Notübernachtungsmöglichkeiten wie dem Grathüttl auf dem Jubiläumsgrat oder dem Konrad-Schuster-Biwak an der Laliderer Spitze. Das gleiche gilt für die Nutzung von Winterräumen, bei denen den das Feuerholz aufgebraucht und der Raum nicht ordentlich verschlossen verlassen wird.
Dieses "nach mir die Sintflut-" Denken ist in höchstem Maße verstörend, denn eigentlich möchte niemand von uns einen kaputten, dreckigen, verschimmelten oder anderweitig nicht mehr nutzbaren Raum vorfinden. Im Ernstfall kann dies über Leben und Tod entscheiden, wenn Personen bei schlechtem Wetter keinen ausreichenden Schutz mehr finden.
Also tut mir bitte den Gefallen: Geht sorgsam mit den Lagern um, hinterlasst sie ordentlich und macht die Türen zu! Und wenn etwas verschlossen ist, gilt das gleiche wie im Tal - dann ist halt zu! 😖
2) Sticker-Flut
Schon in den Großstädten finde ich die Masse an Aufklebern, die aus welchen Gründen auch immer überall angebracht werden, inzwischen unerträglich. In den Bergen finde ich sie vollkommen fehl am Platz! Nicht nur, dass man Gipfelkreuze mit fragwürdigen Botschaften oder Logos von Fußballvereinen verschandelt - inzwischen müssen selbst Warnschilder und Wegweiser auf diese unnötige Art und Weise verziert werden.
Eine denkwürdige Begegnung hatten wir in der Nähe der Eiskapelle mit ein paar Rangern des Nationalparks, die sich wirklich abmühen mussten, um ein offizielles Warnschild wieder zu säubern, damit man überhaupt die Botschaft ("Achtung! Lebensgefahr!") lesen konnte. Diese Form der "Kunst" ist gefährlich, wenn andere dadurch die Schilder nicht mehr lesen können! Das gleiche gilt, wenn Wegweiser praktisch unlesbar werden, weil jemand meint, dass dort ein Sticker hingehört.
Liebe Irre mit den Stickern, lasst es! Wenn ihr bunte Bapper aufkleben wollt, macht das in euren eigenen vier Wänden, auf eurem Auto oder an eurer Stirn, aber verschont alle anderen Gegenstände, die nicht euch gehören, davon!
Mich nerven die Aufkleber tierisch, sie gehören aus meiner Sicht nicht in die Natur und können wie gesagt lebensrettende Hinweise verdecken - davon abgesehen halte ich sie für eine schrecklich unnötige Ressourcenverschwendung. Also bitte bleibt mit euren Stickern daheim oder kommt ohne Aufkleber in die Berge.
3) Kein Platz machen auf Wegen
a) Im Gegenverkehr
Das ist ein "Phänomen", das DF und mir leider in den letzten Jahren vermehrt begegnet ist und nicht nur in den Alpen, sondern auch im heimischen Spessart. Stellt euch folgende Situation vor: Ihr seid auf einem Weg/Pfad unterwegs und euch kommt jemand entgegen. Was macht ihr? Macht ihr Platz? Rennt ihr die Leute über den Haufen? Rettet ihr euch mit einem Hechtsprung vom Weg, damit die anderen vorbeikommen?
In den Bergen sind die Wege oft so schmal, das zwei Personen kaum aneinander vorbei passen. Ich habe die ungeschriebene Regel gelernt, dass der Bergsteiger im Aufstieg die Vorfahrt genießt, da er es schwerer hat und daran halte ich mich nach Möglichkeit. Es sei denn, ich werde höflich und augenzwinkernd vorbeigelassen, weil der andere Wanderer die Pause zum Durchschnaufen nutzen möchte. 😅
Inzwischen wird häufig aber kein Millimeter Platz gemacht und wohl irgendwie erwartet, dass wir uns an Ort und Stelle in Luft auflösen oder um diese Personen herumschweben. Besonders ärgerlich ist es, wenn DF und ich schon hintereinander gehen und trotzdem beinahe ins Gebüsch oder in den Abgrund geschoben werden, weil andere zum Tratschen nebeneinander gehen MÜSSEN. Im besten Fall wird man sogar noch angeraunzt, dass man keinen Platz macht?! Oder es geht euch wie DF, der in einer dieser Situationen gewagt hat zu fragen "Bin ich unsichtbar?!" und sich nur ein freches "Neeee!" eingehandelt hat.
Auch hier im Spessart kommen uns teilweise große Gruppen zu viert und mehr nebeneinander entgegen und machen keinen Deut Platz, so dass uns allmählich das Verständnis fehlt.
Das mag jetzt wie eine Ankündigung klingen, aber früher oder später werde ich auch keine Lust mehr haben mich in Luft aufzulösen! 😡
b) In der gleichen Richtung
Ein weiteres Problem sind andere Tourengeher, die erkennbar langsamer sind und dennoch alles tun, um einen nicht vorbei zu lassen. Ich möchte hier niemandem Absicht unterstellen, aber nicht selten erweckt es doch den Anschein! 😒
Da wird man eher noch angemeckert, dass man drängeln würde, was DF und ich garantiert nicht tun. Meistens fragen wir vorsichtig, ob man uns an einer passenden Stelle vorbeilassen könnte, fügen aber sofort hinzu, dass der andere sich nicht stressen soll. Wir machen schließlich auch nach Möglichkeit Platz, wenn wir merken, dass da jemand ankommt, der schneller ist.
Diesbezüglich hatten wir ein ätzendes Ereignis, wo zwei andere Bergsteiger gefühlt alles getan haben, um uns in schwerem, ausgesetztem Terrain auf keinen Fall vorbei zu lassen. Der Weg ließ es nicht an vielen Stellen zu, aber genau dort machten sie sich doppelt so breit oder marschierten uns direkt in den Weg. Auf ein freundliches "Könnten wir eben vorbei?" wurde gar nicht reagiert...
c) Weg bei Pause blockieren
Ebenso wenig Verständnis habe ich für Personen, die den gesamten Weg als Pausenplatz nutzen. Das habe ich zum Glück noch nicht oft erlebt, aber wenn, dann wurde einem ein haarsträubender Parcours abverlangt, um seinen eigenen Weg fortsetzen zu können. 😕
Der Weg ist nicht euer Privatgelände und ihr seid nicht die einzigen, die dort lang wollen. Deshalb finde ich es unmöglich, wenn man es sich mitten auf dem Weg bequem macht ohne dabei Rücksicht auf andere zu nehmen. Dafür gibt es Bänke, Rastplätze oder notfalls einen Baumstumpf oder einen Stein an einer geeigneten Stelle, aber bitte blockiert nicht den ganzen Pfad mit euren Gräten - denn oft ist das Gelände schon ohne diese zusätzlichen Hindernisse schwer genug!
4) Keine Warnung bei Steinen
Das ist uns zum Glück bis dato nur selten passiert. Die meisten Bergsteiger, die über uns waren, haben sogar lieber einmal zu häufig gewarnt, wenn sich ein Stein gelöst hat. Jedoch gab es auch andere Kandidaten, die eine kleine Schuttwelle losgetreten und einfach nur zu uns runtergeschaut haben, allerdings ohne einen Mucks von sich zu geben! DF und ich konnten uns in diesem speziallen Fall gerade noch rechtzeitig klein machen, ehe tennisballgroße Steine auf uns zu schossen.
Ruft lieber einmal öfter als nötig, aber warnt bitte die anderen! Denn nicht jeder hat immer den gesamten Hang über sich und alle anderen Wanderer im Blick! 😥
5) Gipfelkreuz-"Blockade"
Wer kennt es nicht? Man ist am Gipfelkreuz angekommen und möchte ein Beweisfoto machen. Das ist okay, das kann ich verstehen. Allerdings möchten das andere Menschen vielleicht auch und genau da beginnt das Dilemma!
DF und ich halten es nach Möglichkeit so, dass wir das Gipfelkreuz nicht lange für Fotos und Eintragungen im Gipfelbuch blockieren, sondern zügig Platz machen, damit andere Leute dort auch hin können.
In letzter Zeit ist es uns häufiger passiert, dass Menschen sich direkt am Gipfelkreuz so niedergelassen haben, dass man kaum noch an dieses heran kam oder diese Personen zwingend auf dem Bild hatte. Und dort wurde dann Brotzeit gemacht und Schwätzchen gehalten und wenn man sich gewagt hat zu fragen, ob man ein Foto vom Gipfelkreuz machen kann, musste man aufpassen, dass man keine Abfuhr erhielt.
Natürlich gilt "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!", aber muss man das an diesen besonderen Orten, die jeder mit Mühe erreicht hat, denn so unnachgiebig durchsetzen?! 😕
6) Schreien und Rufen
Die Alpen sind so wunderschön, dass man vor Freude über den Anblick jubeln möchte - das kann ich verstehen. Und gegen einen Freudenschrei oder Jodler am Gipfel habe ich nichts einzuwenden.
Wo mir allerdings das Verständnis fehlt, ist, wenn Leute praktisch die gesamte Zeit am Gipfel oder während des Abstiegs lautstark schreien und rufen. Das stört nicht nur die Tiere, sondern auch andere Bergsteiger. Eine der nervigsten Begebenheiten hatten DF und ich auf dem Weg zur Südlichen Lampermähdspitze. Praktisch die gesamte Zeit riefen von der Serles mehrere Menschen äußerst laut durcheinander. Wir haben sie noch laut und deutlich auf der anderen Seite des Jöchls gehört und waren irgendwann nur noch genervt.
Die Berge sind kein Fußballstadion oder Konzert zum Rumgrölen, deshalb lasst das bitte! 😕
7) Drohnen-Wahnsinn
Das Gute zu erst: Drohnen machen tolle Bilder und die Übersichtsaufnahmen sind gigantisch. Damit endet der positive Aspekt dieser kleinen, technischen Wunder für mich.
Denn ganz egal wie schön die Bilder sind, die Dinger nerven! Sie machen einen unsäglichen Lärm und sind nicht ohne Grund in vielen Gebieten der Alpen verboten! Das schrille, durchdringende Sirren hat für mich den gleichen Charme wie das Geräusch des Bohrers beim Zahnarzt. 😑 Hinzu kommen leider noch rücksichtslose Piloten, die ihre kleinen Flitzer kreuz und quer durch die Luft schießen lassen. DF und ich sind schon mehrfach auf anspruchsvollen Routen von Drohnen erschreckt worden, die ohne Vorwarnung hinter einer Felskuppe hervorgeschossen kamen, wo man sie zuvor nicht gehört hat. Und wenn man sie dann mehrmals nah an uns vorbei fliegen lässt, so dass man sich regelrecht bedrängt fühlt, endet jegliches Verständnis von uns!
Bitte Leute, haltet euch an die Verbotszonen, die unter anderem generell in Naturschutzgebieten gelten! Und nehmt Rücksicht auf andere Bergsteiger, die sich gestört fühlen oder im schlimmsten Fall erschrecken und dadurch verletzen könnten!
8) Racing-Modus bei Trailrunnern oder auf dem MTB
Es gibt langsame und schnelle Bergsteiger, das ist alles okay und kein Problem, wenn man gegenseitig Rücksicht nimmt. Wie schnell ich eine Strecke absolviere, hat für mich in den Bergen nachrangig Bedeutung, da ich vor allem sicher unterwegs sein und die Tour genießen möchte.
Und dann kommen die Menschen daher, die sich ihren Schnitt, oh sorry, ihre "Pace", auf einen Fall von anderen versauen lassen wollen! Da wird mit dem Mountainbike an einem vorbeigeschossen, dass man vor Schreck fast aus den Latschen kippt. Oder man wird auf schmalen Bergwegen ohne ein Wort einfach zur Seite geschoben, weil zwei Hochleistungssportler den Pfad zu ihrer persönlichen Rennstrecke auserkoren haben.
Das absolute Negativ-Erlebnis hatten DF und ich auf dem Watzmann-Grat. Dort überholten uns zwei Trailrunner, beide mit Kopfhörern in den Ohren, die sich ohne ein Wort der Warnung vollkommen rücksichtslos vorbei drängelten! Warum kann man nicht auf sich aufmerksam machen und auf eine passende Gelegenheit warten?! Oder ist es unter eurer Würde mit dem regulären Bergsteiger zu kommunizieren?
Ein Trailrunner auf dem Weg zur Wiener-Neustätter-Hütte hat mich dort vor vielen Jahren komplett versägt, aber er hat ganz freundlich "Hallo" gerufen und sich bedankt, wenn man Platz gemacht hat. Warum ist das heute nicht mehr möglich!? Steigt der Puls für die Smartwatch dann um einen Schlag zu viel und die Kudos aus der Community bleiben aus?! 😖
Wenn ihr die Berge schon als eure Racing-Strecke wählt, dann bedenkt bitte, dass dort auch andere Menschen mit anderem Tempo unterwegs sind!
9) Hinterlassenschaften
Wir alle kennen das Problem, wenn man länger in der Natur unterwegs ist, dass dann auch mal diese Natur ruft. Das ist normal und nicht zu vermeiden. Was jedoch zu vermeiden ist, sind die unerfreulichen Hinterlassenschaften in jeglicher Form, die mitten auf dem Weg liegen.
Oder mal ganz salopp gefragt: 💩t ihr daheim auch mitten auf die Straße oder auf den Gehweg?! 😈
Von den Taschentuchfluten am Wegesrand möchte ich da gar nicht anfangen! Also Leute, wenn es mal drückt, dann sucht euch doch bitte, bitte nach Möglichkeit eine Toilette oder eine Stelle abseits (!) des Weges und vergrabt/verbuddelt/bedeckt euer Werk im Nachhinein! Weil ich habe leider inzwischen aufgehört zu zählen wie oft ich 💩 samt Toilettenpapier oder Tempo-Armada mitten auf dem Weg vorfinden durfte! Auch wenn ihr da an diesem Tag nicht mehr entlang geht, für alle anderen ist es einfach nur widerlich!
Natürlich überwiegen in den Bergen für uns nach wie vor die schönen Momente und die Begegnungen mit unterschiedlichsten und meist sehr freundlichen Leuten. 😀 Aber solche rücksichtslosen Störenfriede können einem zum Teil die Tour schon etwas vermiesen...
Was sind eure Erfahrungen am Berg? Habt ihr schon ähnliches erlebt? Über eure Kommentare und Meinungen freuen wir uns immer sehr! 😉
Bis zur nächsten Schandtat! 😀
Eure Katharina

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