Donnerstag, 19. Juli 2018

Das Ehrwalder Matterhorn - Team Stoffel auf der Sonnenspitze


Hi! 😊



Da der Mensch bekanntlich ein Gewohnheitstier ist, konnten DF und ich uns diesem "Druck" ebenfalls nicht entziehen und düsten am Freitag, den 13. Juli 2018, wieder einmal in die Berge. Und auch wenn das Packen davor inzwischen "Standard" war, kann ich mich nach wie vor nicht daran gewöhnen, dass es immer aussieht, als ob ich mitten am Ausziehen wäre. 😅 

Umzug/Auszug?!
Dieses Mal war unser Ziel die Ehrwalder Sonnenspitze mit 2.417 m, die praktisch vis-à-vis mit den Tajaköpfen liegt und nicht zu Unrecht als Matterhorn von Ehrwald bezeichnet wird. Ich muss ehrlich sagen, dass die Sonnenspitze von weiter weg und ganz gleich von welcher Seite vollkommen unbezwingbar aussieht. Dementsprechend hatten wir beide ein wenig Bammel...

Direkt in der Mitte die optisch unbezwingbare Ehrwalder Sonnenspitze




Der "Pechtag" (Freitag, der 13.) hielt leider ein kleines Hindernis für uns parat - einen 15 km Stau bei Würzburg. Also ging es (wieder) durch das Hinterland quer an Würzburg vorbei zur A7. Trotz dieser Widrigkeiten erreichten wir den altbekannten Parkplatz hinter der kleinen Kapelle in Ehrwald am frühen Abend und hatten während unseres Spaziergangs noch ein paar sehr beeindruckende Ausblicke.

Wettersteinmassiv im Abendrot

Vorderer Tajakopf im Abendrot
Da es zum Teil schon Fragen gab WIE DF und ich im Kofferraum schlafen könnten und ob das nicht furchtbar unbequem sei, haben wir unser Schlafpatent dieses Mal fotografisch festgehalten: 

1. Schritt: Kofferraum leer                                                             2. Schritt: Bierzeltgarnituren
3. Schritt: Matratzen
4. Schritt: Decken
5. Schritt: 3 Stoffel 😋
Und ja, es ist bequem. 😜

Am Samstagmorgen ging um vier Uhr in der Früh unser gnadenloser Wecker - was tut man nicht alles für sein Hobby? 

Unsere erste Etappe war (wie zwei Wochen zuvor bereits auch schon) der Seebensee. Doch dieses Mal wählten wir den Zustieg über den Hohen Gang / die Hohen Gänge (es findet sich beide Bezeichnungen im Internet). Es handelt sich hierbei um eine schwarze Wanderroute, die zum Teil auch als Klettersteig aufgeführt wird. Um sie als richtigen Klettersteig zu zählen, hat sie aus meiner Sicht jedoch zu wenig versicherte Stellen. 

Die ersten Meter geht es in steilen Serpentinen im Wald empor, bis man sich immer mehr der Wand annähert, hinter der sich das eindrucksvolle Hochplateau erstreckt. Zu diesem Zeitpunkt machte der Himmel auf uns alles andere als einen beruhigenden Eindruck: die Wolken waren sehr dunkel und sahen schwer nach Regen aus. 


Unheilverheißender Himmel...😨
Um 06:05 Uhr erreichten wir schließlich die ersten felsigen Ausläufer in Form eines Geröllfeldes. Der Weg touchierte dieses Feld zum Glück nur kurz, so dass wir eine halbe Stunde später die Coburger Bank erreichten. Ich hatte vorher noch nie eine Eckbank an einem Aussichtspunkt in den Bergen gesehen - könnte mich aber daran gewöhnen. 😁 ...in dem Moment, als wir die Bank erreichten, kam auch der Regen bei uns an, der sich bereits als eine neblige Wand in der Ferne angekündigt hatte. Also warteten wir für eine knappe Viertelstunde halbwegs geschützt unter einem Baum ab, bis es in die eigentlichen Hohen Gänge ging.

Geröllfeld an den Höhen Gängen
Coburger Bank 
Ich war über diese Route bereits einmal vor zwei Jahren aufgestiegen und fand sie damals schon unangenehm. Nun, direkt nach dem Regen, war der Fels wunderbar rutschig und es war einfach nur eklig. In teils abenteuerlichen Serpentinen schlängelte sich der Weg stetig nach oben. Das Highlight war ein Gitter, das ein Stück des weggebrochenen Weges ersetzen sollte. Besonders vertrauenserweckend sah es nicht aus...

DF hinter...äh auf dem Gitter 😁

Hohe Gänge mit Drahtseilen
Um 07:20 Uhr hatten wir den Ausstieg der Hohen Gänge hinter uns gelassen und spazierten gemütlich auf dem angenehm breiten Weg in Richtung Coburger Hütte. Ab diesem Zeitpunkt lugte auch der blaue Himmel hier und da zwischen den Wolken hervor. 

Ein Hauch von blauer Himmel
Unser Weg führte uns wieder an der Coburger Hütte vorbei, die wir um halb neun erreichten. Wir hielten uns dieses Mal nicht lange auf, sondern marschierten zügig weiter in Richtung Bieberwierer Scharte. Entlang des Pfades fanden wir noch ein schönes, schattiges Plätzchen, an dem wir ausgiebig frühstückten, um für die nächste Herausforderung gewappnet zu sein. 

Schilderwald an der Coburger Hütte

Die Sonnenspitze - links rauf und rechts wieder runter; klingt so einfach...
Aussicht beim Frühstück 
Den gut beschilderten Einstieg erreichten wir bereits kurz darauf. Ab diesem Teil vom Weg gab es nur noch rote Punkte oder Steinmännchen, die einem den Weg wiesen. Da die roten Punkte zum Teil sehr verblasst waren, bot es sich im weiteren Verlauf an mehr auf Steinmännchen oder Standplätze zu achten, da bei letzteren die befestigten Ketten durch die Lichtreflexion sehr auffällig waren und ins Auge fielen. Unterm Strich kann ich sagen, dass es genügend Markierungen gab, aber man musste schon mit offenen Augen und sehr aufmerksam unterwegs sein. 
Den genauen Weg hat DF natürlich in seinem Video dokumentiert. Ich versuche so gut wie möglich den Verlauf zu beschreiben. Insgesamt kann man sich für den Aufstieg merken, dass man sich meist nach rechts bzw. rechts oben zu orientieren hat, bis auf einen Part nach der Schlüsselstelle, wo der weitere Verlauf eindeutig durch ein Drahtseil erkennbar ist. 
Für die gesamte Strecke gilt auch: Immer mal wieder innehalten und die Aussicht genießen! Das könnte bei der Kletterei sonst in Vergessenheit geraten! 😅


Aber zurück zum eigentlichen Weg: Nach einem deutlichen Pfad entlang der Latschen (sie verfolgen mich!!! 😱), ging es über gut erkennbare Trittspuren quer über ein Geröllfeld. Es mag schöneres zum Laufen geben, aber wir hatten auch schon schlimmeres...


Geröllfeld mit deutlichen Steigspuren
Direkt im Anschluss ging es in teils schrofigem Gelände nach rechts weiter, aber es wurde insgesamt immer felsiger. 

Steigspuren in der Mitte vom Bild
Wir folgten erkennbaren Steigspuren, bis wir weiter oben links einen Standplatz entdeckten und rechts davon einen Pfeil sahen, der in die erste Rinne zeigte. 

Rinne rechts hoch
Rückblick auf die Rinne von oben
Dieser Rinne folgten wir ein gutes Stück nach oben, bis ein roter Punkt und ein weiteres Steinmännchen dazu aufforderten nach rechts zu queren und dort einem kleinen Steig zu folgen. 

Querung nach rechts oberhalb der Rinne (Pfeil: Steinmännchen)
Von diesem Steig ging es schon sehr bald wieder am Fels nach oben, alternativ auch in einer Rinne. Auf diese Weise wechselten sich Geh- und Klettergelände immer wieder ab, so dass es DF und mir gar nicht langweilig werden konnte.

Auswahl zwischen Fels und Rinne

"Gehgelände" auf schmalen Pfaden

Aussicht auf die Tajaköpfe, den Drachensee und den Vorderen Drachenkopf
An einer Rinne, die DF gerne hoch gekraxelt wäre, ging es dann "leider" vorbei - der Pfeil sprach eine eindeutige Sprache. Die Enttäuschung hielt allerdings nicht lange, da nur wenige Meter danach eine weitere Rinne kam, welche auch eine der Schlüsselstellen darstellte. An dieser Stelle gab es sogar Tritthilfen, um den Höhenunterschied zu überwinden. 

Pfeil zur Schlüsselstelle
Rinnen-Liebhaber DF 😋
Steighilfen in der Rinne
Danach ging es nach links weiter, immer dem Drahtseil nach oben folgend. Diese Stelle wurde laut mehrerer Berichte versichert, da dort vor ein paar Jahren jemand zu Tode gekommen war - und es machte aufgrund der Ausgesetztheit durchaus Sinn. 

Einfach dem Draht nach links folgen
Weg entlang des Drahtseils (Pfeil)
Panorama-Klettern
Wir bogen rechts um eine Ecke und dann ging es im altbekannten Muster immer nach schräg rechts oben. 

DF in seinem Element

Unlimited und links der Wamperte Schrofen
Nach einem kurzen, entspannenden Gehstück folgte eine ziemlich luftige Querung, an der man sich auch keinen Fehler erlauben sollte. Weitere Steinmännchen wiesen den Weg und wir konnten auf einem natürlichen Band aus Fels queren. 

Queren am Fels
An dieser Stelle nahmen die Markierungen plötzlich ab und wir orientierten uns mehr nach Gefühl. Da wir keine 50 Hm mehr vor uns hatten, gingen wir davon aus, dass größere Verhauer nicht mehr drin sein sollten.
Und schließlich kamen wir auch über die nächste Kante und erblickten um kurz vor zwölf Uhr den Hauptgipfel mit Gipfelkreuz! 😎 

Gipfelpanorama mit Wettersteinmassiv (rechts)
Bevor wir zum Gipfelkreuz gingen, machten wir noch eine kleine Foto-Session am Hauptgipfel mit 2.417 Hm. Von dort aus hatten wir einen traumhaften Rundumblick und eine gute Sicht auf den kleinen Grat, der Haupt- und Nebengipfel verbindet. 

Team Stoffel auf dem Vorgipfel der Ehrwalder Sonnenspitze
DF machte der anschließende Grat soviel Spaß, dass er ihn drei Mal (!) ging. Einmal zum Nebengipfel, um von mir gefilmt zu werden, einmal zurück, um die Kamera zu tauschen und dann noch einmal, um wieder zu mir zu kommen. Das nennt sich Einsatz für die Kunst. 😂 ...ganz abgesehen davon hatte er einen Riesengaudi dort herumzuspringen. Der Nickname kommt nicht von ungefähr...

DF auf der anderen Seite der Macht 
Gratwanderung

Spaß à la DF
Auf der Mauer, auf der Lauer...

Nach der dritten Querung des Grates 
Unlimited auf der anderen Gratseite
Nach einer Rast am Gipfel, während der es auch regnete (zur Abwechslung...), machten wir uns an den Abstieg. 

Drei Stoffel auf der Sonnenspitze

Bäh, Regen!

Tajaköpfe mit Seeben- und Drachensee
Als ob die schottrige Nordseite nicht schon anspruchsvoll genug war, hatten wir dank dem "gnädigen" Wetter auch noch rutschigen Fels. Wer jemals versucht hat, auf Schmierseife Halt zu finden, dürfte eine Vorstellung davon haben, was ich meine...

Schottriger Abstieg
Die Markierungen für den Abstieg waren nicht immer leicht zu finden und die Steigspuren waren auch überschaubar. Durch das schwierige Gelände brauchten wir eine gute Stunde, um gerade einmal 100 Hm abzusteigen. Ein Traum...

Knifflig, knifflig
Mit der Zeit wurde das Gelände etwas einfacher und lockte mit grandiosen Foto-Motiven. 

Ab da war's leichter...

...nur war noch diese Ätz-Stelle dazwischen...

Spaß beim Abstieg
Etwa nach einem Drittel des Abstiegs war es an der Zeit die Helme weg- und die Stöcke auszupacken, da sich das Gelände deutlich änderte. An diesem Punkt meinte auch der Wettergott es gut mit uns. Zuerst sah es verdächtig nach Weltuntergang aus, der sich dann aber hinter den Tajaköpfen verfing, während wir nur wenige hundert Meter entfernt strahlenden Sonnenschein hatten. 

Wer hat den Weltuntergang bestellt?! 😱
Dann donnerte es im nicht weit entfernten Reintal hinter der Zugspitze unheilverheißend. Und schließlich erwischte uns doch noch eine Regenwand und begleitete uns eine gute Viertelstunde auf unserem Weg. Zum Glück war das Gelände hier nicht mehr sooo extrem und das Gefahrenpotential hielt sich in Grenzen. Auch wenn die Steine unanangehm schlüpfrig waren...

Gegen 16:20 Uhr waren wir wieder am großen Fahrweg beim Seebensee angelangt. Den Abstieg hätte man sicher schneller gehen können, aber wir hatten es nicht eilig. 

Für den weiteren Weg zum Auto wählten wir wieder den Immensteig, da wir auf rutschige Hohe Gänge keine Lust hatten. DF war nur irgendwie auch beim Abstieg noch nicht richtig ausgelastet...

Kein Kommentar...
Um 18:45 Uhr waren wir nach etwa 13 Stunden und 1.400 Hm wieder zurück am Auto und ordentlich platt. 


Fazit zur Tour:
Wow! Einfach nur wow! Es gibt nicht wenige Touren, bei denen ich sagen würde, dass ich sie nochmal gehen würde, aber die Ehrwalder Sonnenspitze gehört definitiv dazu (wenn wir denn jemals keine neuen Ziele mehr auf Lager haben 😇)!
Es war meine erste Kletterei an richtigem Fels (nicht wie beim Himmelfahrtskommando, wo wir Jenga gegen den Grat gespielt haben...) und es war schon ein ganz anderes Erlebnis. Es war noch ein wenig ungewohnt, aber ich denke, dass ich mich mit gleich gelagerten "Späßen" durchaus anfreunden kann. 
Der Fels an der Ehrwalder Sonnenspitze ist auf der Südseite übrigens angenehm fest, dafür hat man auf der Nordseite ein Schotterfeld. Die eigentliche Problematik kommt also erst nach dem Gipfelerlebnis. 
Es empfiehlt sich die Tour früh zu starten, denn trotz der Schwierigkeiten ist sie sehr beliebt und es tingeln zum Teil ganze Karawanen dort hoch. DF und ich hatten Glück und haben keine 20 Leute während unserem Auf- und Abstieg getroffen. Als wir jedoch zwei Wochen zuvor vom Vorderen Tajakopf hinüberblickten, erinnerte der Betrieb auf den beiden Gipfeln und am Grat an den Sommerschlussverkauf im KaDeWe. 😮 
Auch muss die Tour nicht bei Kaiserwetter gegangen werden, denn sonst wird man am Fels regelrecht gebacken. Ein paar Wolken sind ganz hilfreich und erleichtern das Vorankommen. 
Weiterhin kann ich nur wärmstens empfehlen einen Helm mitzunehmen, da sich auch im festen Fels immer mal wieder kleinere Brocken lösen und nach unten fallen können. 

Für Anfänger ist die Tour insgesamt eher nicht geeignet, da allein Zu- und Abstieg über schwarze Routen erfolgen. Wer sich jedoch an schöner Felskletterei versuchen möchte, dürfte an der Ehrwalder Sonnenspitze seine wahre Freude haben. 

Bis zur nächsten Schandtat!




Eure Unlimited




P.S.: Das Video von DF folgt natürlich und wird hier verlinkt. 😀

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