Freitag, 24. August 2018

Nicht nur für altes Eisen - Die Eisenzeit zur Zugpspitze


Hi! 😊

Nun geht der wahre Wahnsinn los! DF und sind für zwei Wochen auf Urlaub in unserer zweiten Heimat - den Bayrischen Alpen. 
Den Urlaub haben wir mit einem, nach unseren Maßstäben, ganz gemütlichen Sonntagsspaziergang begonnen. 😋 
Und das bedeutete, dass wir eine kleine Runde von etwa 12 km, mit süßen 1.400 Hm (jeweils im Auf- und Abstieg) gedreht und uns dabei fernab der Touristenmassen, die an Sonntagen die Berge stürmen, noch historisch weitergebildet haben - direkt auf der "Eisenzeit"-Route auf der Nordwestseite der Riffel im Schatten der Zugspitze.


Aussicht vom Parkplatz



Unser Ziel war es nicht die Eisenzeit komplett bis zum Riffelgrat bzw. bis zum Höllentalklettersteig zu gehen. Wir hatten den Fokus auf den Lost Place an sich gelegt, den der alte Steig, die historischen Gerätschaften und die Tunnels auf einer Länge von knapp zwei Kilometern und auf über 500 Höhenmeter verteilt darstellen. Das Tagesziel war es, den alten Teil der Eisenzeit zu erkunden und ab der Stelle, an der die eigentliche Kletterei beginnt, wieder abzusteigen. Dadurch versprachen wir uns ausreichend Zeit, um all das "alte Geraffel" in Ruhe und ausgiebig zu inspizieren - und soviel vorweg: Der Plan ging bestens auf. 
Die einzige Unwägbarkeit bestand darin, ob wir eine der beiden Schlüsselstellen (Schwierigkeitsgrad IV-), die sich direkt unterhalb der Tunnels befindet, schaffen würden. Doch dazu später mehr...😕


Blick zu den Riffelspitzen und zur Materialseilbahn
Bevor ich mit der eigentlichen Tourbeschreibung loslege, möchte ich euch ein paar Fakten zur "Eisenzeit" erzählen: 
Der Steig, die Sprengseilbahn, die alten Pfeiler und die Tunnel stammen aus den Jahren 1928-1930, in denen die Zahnradbahn zur Zugspitze gebaut wurde. Damit der Tunnelbau beschleunigt voran getrieben werden konnte, wurde an mehreren Stellen parallel gearbeitet. So kam es unter anderem dazu, dass in einer Höhe von 2.350 m das Tunnelfenster IV entstand. Die Arbeiter blieben unter der Woche in den Tunneln und übernachteten dort. Als Zustieg diente ihnen der historische Steig, der erst vor knapp zwei Jahren durch einheimische Bergführer wiederentdeckt und wiederbelebt wurde.
Und was könnte es für DF und mich spannenderes geben, als einen Lost Place, der eine interessante Bergtour und sogar Kletterei versprach?! 😎


DF und der neue Stützpfeiler der Zugspitzbahn
Der erste Teil der Route war relativ unspektakulär. Wir starteten gegen 06:00 Uhr von einem kleinen Parkplatz etwas unterhalb des Eibsees und marschierten über einen kleinen Pfad durch den Wald zur Station der Zahnradbahn am Riffelriss (1.640 m), die wir um 08:50 Uhr erreichten.
Danach folgten wir dem Weg zur Riffelscharte, der sich in stetigem Zickzack nach oben zog. Auf diesem Abschnitt entdeckten wir eine merkwürdige Pflanze, die wir uns erst nicht ganz erklären konnten. Erst von daheim aus identifizierten wir das Gewächs als eine Alpenrosen-Nacktbasidie, die nichts anderes ist, als ein Pilz, der die Alpenrose von außen befällt. Aufgrund der Form heißt es auch Alpenrosen-Apfel. Aber seht selbst:


Alpenrosen-Nacktbasidie
Nach der letzten Kurve nach links verläuft der Weg stetig geradeaus in Richtung Riffelscharte. Dort stiegen wir auf etwa 1.800 Hm rechts aus dem gekennzeichneten Weg aus. Den korrekten Trampelpfad, der erst durch die Latschen führt, hatten wir zwar nicht gefunden, aber die alte Sprengseilbahn war Orientierungspunkt genug und man konnte ohne Probleme weglos über die Wiese aufsteigen. 
Wir orientierten uns an einem alten Stahlseil und stießen dort auf den ausgetretenen Pfad unterhalb eines Felsabbruchs. Auf dem Geröllfeld direkt darunter fanden wir schon einige alte Gegenstände oder eher deren Überreste.



Altes Gitter

Flaschenreste

Alte Konserve
Unterhalb des Abbruchs verlief ein Rohr, dem der Pfad exakt folgt. Unschwierig gelangt man auf diese Weise zum alten Häuschen der Sprengseilbahn. 

Folge dem Rohr! 
Die untere Tür des Häuschens war abgeschlossen, was den "Kletteraffen" DF nicht daran hinderte, sich am Geländer und an der von dort nach oben führenden Leiter hoch zu hangeln. Die Tür auf der "oberen Etage" war unverschlossen und so kam er ohne Probleme ins Innere und konnte den dahinter liegenden Tunnel filmen. 

Sprengseilbahn
Kletteraffe DF - wer braucht schon Stufen? 
Für die weitere Orientierung nutzten wir die Topo und den GPX-Track, die DF über die Routenbeschreibung auf Bergsteigen.com gefunden hatte. Der Track funktionierte tadellos und war unglaublich genau. Entgegen aller Befürchtungen machte das GPS keinerlei Zicken, so dass wir beide diesen Track durchaus empfehlen können. 
Da wir uns ab diesem Punkt immer mehr der Wand annäherten und dort erhöhte Steinschlaggefahr herrscht, zogen wir auch die Helme auf.

Nach einer kurzen Pause an der Sprengseilbahn ging es auf unübersehbaren Steigspuren weiter nach rechts über ein Grasband. DF und ich querten ein Rinne mit Geröll, ehe es auf dem Grasband weiterging, das immer ausgesetzter und erdiger wurde. Hektische Schritte oder Abrutscher wären an einigen Wegstücken nicht günstig gewesen.
Der "Weg" 
Bloß keinen Fehler machen...
Immer wieder sahen wir alte Stahlseile, die zum Teil entlang des Pfades verliefen. Sonderlich vertrauenserweckend wirkten sie allerdings nicht, so dass wir die Finger lieber davon ließen, wenn es möglich war.


Beruhigend sieht irgendwie anders aus... 😨
Nach dem sogenannten Gamseck wurde der Weg felsiger und deutlich leichter zu gehen. 


Auf "besseren" Wegen
Da für den Nachmittag mögliche Gewitter vorhergesagt waren, legten wir ab diesem Punkt für uns fest, dass wir spätestens um 14:00 Uhr umkehren würden, um rechtzeitig aus dem Teil der Tour herauszukommen, in dem allzu viel Stahl verbaut war. Natürlich wollten wir die Tunnel gerne erreichen, aber "safety first" hatte hierbei eindeutig Vorrang.

An einer Stelle, an der unglaublich viel Eisenschrott herumlag, hatten wir einen direkten Blick zum Bayrischen Schneekar. Viel interessanter für uns war jedoch das alte "Geraffel" - von Bohrern, bis zu Seilwinden war so ziemlich alles zu finden. Von diesem Punkt aus konnten wir auch bereits den alten Lichtmast erkennen, der sich auf 2.250 m über uns befand. 
 
Altes Eisen

Alte Seilrolle

Seile
         
Noch mehr altes "Eisen"
Ganz schön schwer...!
Lichtmast
Doch bevor wir diesen Mast mit den imposanten Strahlern erreichen sollten, stand uns noch ein Hindernis bevor - die sogenannte "Harakiri"-Leiter und sie trägt diesen Namen nicht grundlos. 
Es handelt sich um eine alte Leiter der Bauarbeiter, die durch Steinschlag und Witterung inzwischen so demoliert und verzogen ist, dass man sie keinesfalls als sicher bezeichnen kann. Da die Leiter sich in einer Rinne befindet, die man ohne weiteres hoch klettern könnte, wäre die Stelle ohne die "Unterstützung" der Harakiri-Leiter deutlich angenehmer - aber sie ist nun mal da und erfordert einiges an Mut. Es ist nicht gerade erbaulich, wenn das blöde Teil von vorne nach hinten und von links nach rechts schwankt, die alten und morschen Seile dabei hörbar knarren und wenn die Stufen, auf die man treten will, nur auf einer Seite überhaupt noch "befestigt" sind... 😱😱😱 


Harakiri-Leiter von unten
Vertrauenserweckende Verankerungen 😰
Nach dieser Kamikaze-Aktion waren es nur noch wenige, aber dafür sehr schottrige Meter bis zum Lichtmast. Der Mast auf diesem hervorstehenden Fels ist eine sehr beeindruckende Erscheinung und selbst von der Zugspitze aus zu sehen. 


Lichtmast
Surreales Panorama
Ob das noch klappt...?

Alter Pfeiler und neue Bahn
Einige scharfe Zickzack-Querungen später hatten DF und ich die erste der beiden Schlüsselstellen erreicht. 
Außer der Ehrwalder Sonnenspitze, die lediglich eine UIAA II ist, war ich im Fels noch nie free solo etwas schwieriges geklettert. Die Bilder im Internet sahen zu dieser Stelle, die nicht abgesichert werden kann, alles andere als hübsch aus. Als wir dann aber direkt davor standen, entschärfte sich der erste Eindruck ein wenig, da unter der Kletterstelle direkt kein Abgrund, sondern eine Schuttrinne ist. Natürlich würde es weh tun, wenn man abstürzte, aber es würde zumindest nicht tödlich enden. 


Die erste Schlüsselstelle
DF versuchte die Stelle zuerst mit normalen Wanderschuhen zu klettern, entschied sich aufgrund der bröseligen Griffe und der schmalen Tritte, dazu auf Kletterschuhe umzusteigen. Wir "boulderten" die Stelle sozusagen in den nächsten Minuten aus. Am Ende ließen wir unsere Rucksäcke an Ort und Stelle zurück. Es bestand keine Gefahr, dass sie irgendwer mitnehmen würde, da wir vollkommen alleine auf dieser Strecke unterwegs waren. Bereits seit der Abzweigung zur Sprengseilbahn hatten wir niemanden mehr angetroffen. 
Mit Kletterschuhen und einigen anderen Ausrüstungsgegenständen, die das spätere Abklettern erleichtern würden, machten wir uns auf den Weg nach oben. Ich gebe ehrlich zu, dass ich zu Beginn ziemlichen Respekt und auch einiges an Angst hatte, aber nach dem ersten, gemeinen Aufschwung war es halb so schlimm. Am wichtigsten für mich war es, dass ich ruhig und überlegt vorging. So habe ich meine erste IV- am Fels free solo geschafft. 😎


Blick zurück
Nur in Kletterschuhen, die sich auf dem steinigen Fels alles andere als bequem anfühlten, ging es weiter. Eine steile, a****glatte Platte war zu queren, eine Leiter hoch, eine Leiter runter zu klettern und schließlich standen wir vor unserem Tagesziel: dem Tunnelfenster IV. 


Traumhaft...😣
Der Eingang zum Tunnelfenster IV
Insgesamt handelte es sich um einen Tunnel mit acht Tunnelfenstern, die direkten Blick auf den Eibsee und die Bergkulisse dahinter boten. Im ersten Fenster befand sich ein massives Haus aus Beton, in dem sich etliche Stahlteile stapelten. Die meisten der anderen Fenster lagen mit morschen und alten Holzbrettern voll, die höchstwahrscheinlich von den Unterkünften/Betten der Bauarbeiter stammen dürften. 
Es war schon ein unglaubliches Gefühl in 2.350 m Höhe durch diese alten Tunnel zu schreiten. 😊


Abenteurer DF

Alter Tunnel

Aussicht Tunnelfenster

Zwei Stoffel im Tunnelfenster IV

Zum Wohl!

Gespenstisch...

DF im Betonhaus
Nach einer sehr ausführlichen Dokumentation machten wir uns wieder an den Abstieg. Unser gesetztes Zeitlimit hatte genau hingehauen und die immer dichter werdenden Wolken, die zum Teil als Nebelschwaden in den Tunnel hinein krochen, wirkten sehr beklemmend. 
An der Schlüsselstelle entschied ich mich dafür, dass mir wohler dabei wäre, mit Seilsicherung abzuklettern. Mit dem vorhandenen Bohrhaken baute DF einen improvisierten Stand und ich konnte mit einem besseren Gefühl abklettern. Letzten Endes hätte ich das Seil wahrscheinlich nicht gebraucht, aber zur Nervenberuhigung war es Gold wert. 😅


Uuuund abwärts bitte!
Es ging auf dem gleichen Steig direkt zurück zur Sprengseilbahn, die wir nach etwa 2 1/4 Stunden erreichten. Auf dem weiteren Weg zum Riffelriss begann es erst zu tröpfeln und schließlich immer stärker zu regnen. Da wir die letzte Bahn um eine halbe Stunde verpasst hatten, stellten wir uns an der Station unter und warteten den heftigsten Regen ab. Im schwächer werdenden Nieselregeln ging es zurück durch den Wald zum Auto. 

Natürlich hat DF auch ein Video gedreht und ich werde es verlinken, sobald er mit der Bearbeitung fertig ist. 😄


Fazit zur Tour:
Es war mal etwas komplett anderes einen Lost Place mit einer Berg- und Klettertour zu verbinden und dementsprechend spannend fand ich die ganze Angelegenheit. 😊
Gleichzeitig war unglaublich interessant zu sehen, WOMIT damals gearbeitet wurde und es hat mich zum Teil sehr nachdenklich gestimmt. Wie ging es den Bauarbeitern unter der Woche? Wie war es dort oben zu schlafen? Wie haben sie sich quälen müssen, um das Material hoch zu schaffen? Diese Fragen und viele mehr haben mich noch einige Tage danach beschäftigt. 
Es soll sich nicht nach Angeberei anhören, aber ich bin mächtig stolz darauf, die Schlüsselstelle free solo nach oben geschafft zu haben - das war mal eine coole Premiere für mich. 😮
Die Tour war eine Zeitreise, die wir aktiv lenken konnten und das machte sie so besonders. Bis kurz unter die Tunnel kann auch ein versierter Bergsteiger kommen, da es überwiegend wie eine schwarze Wanderroute einzustufen ist. Ab der ersten Schlüsselstelle sind allerdings Kletterkenntnisse nötig. Für Anfänger ist die Route aufgrund der teils sehr ungemütlichen, abschüssigen Wege nicht zu empfehlen. Routengespür ist ein Muss, da der Pfad nicht markiert ist. Wer diese Grundvoraussetzungen mitbringt, wird eine unvergessliche Reise in die Vergangenheit erleben. 😉

Wenn es euch gefallen hat, interessant für euch war oder ihr mir sonst etwas zur Tour mitteilen wollt, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen. 😊

Die Videos zur Tour findet ihr hier:
Eisenzeit Teil 1
Eisenzeit Teil 2

Bis zur nächsten Schandtat!

Eure Unlimited

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