Montag, 14. Oktober 2019

Der etwas andere 1. Hochzeitstag - die Watzmann-Überschreitung

Hi! 😀

Anfang September hatten DF und ich befürchtet, dass die Bergsaison bereits für uns gelaufen sein könnte. Die Webcams zeigten selbst für den Wank (1.780 m) bei Garmisch-Partenkirchen Schnee!!! 😱

Zum Glück besann sich die Wetterfee noch einmal und schickte einige Sonnenstrahlen, so dass wir unseren ersten Hochzeitstag angemessen mit einer Bergtour "feiern" konnten. Als Ziel wählten wir eine sehr bekannte, wenn auch nicht alltägliche Tour: die Watzmann-Überschreitung.
Blick zum Watzmannhaus vom Weg zum Hocheck.
Ihr fragt euch jetzt sicher: Schon wieder Watzmann?! Und es mag stimmen, dass DF diese Tour in 2016 bereits gemacht hat. Ich war bislang nicht in dieser Gegend unterwegs gewesen und da wir versuchen schöne Gipfel miteinander zu teilen, ging DF die Tour noch einmal mit mir. 😊 
Wer uns inzwischen kennt, weiß auch, dass wir nach Möglichkeit keine Hüttenübernachtung machen und deshalb hieß es auch dieses Mal: alles an einem Tag durchziehen. Ob das geklappt hat? Seht selbst. 😉

Unser eigentlicher Hochzeitstag (12.09.) diente als Anreise-Tag, um auch wirklich optimale Bedingungen zu erwischen. Standesgemäß dinierten wir bei einer der größeren Fast-Food-Ketten. 😂 
Insgesamt war die Anreise ein wahrer Albtraum, dank wunderbaren Autobahnen wie der A9, der A99 und der A8. Beamen wäre inzwischen wirklich ein Segen. 😒 Nach über sechs Stunden Fahrt kamen wir um 21:00 Uhr an unserem kostenlosen Übernachtungsparkplatz in der Nähe der Wimbachbrücke an. Am kostenpflichtigen Parkplatz Wimbachbrücke selbst, der Ausgangspunkt für die Tour war, ist es nicht gestattet im Auto zu übernachten.

Da wir ein ordentliches Pensum vor uns hatten und wir wegen DFs Achillessehnen lieber etwas Puffer einplanten, wurde der Wecker auf 02:00 Uhr nachts gestellt. 😴 ...und riss uns entsprechend grausam aus dem kurzen Schlaf. DF und ich fuhren mit dem Auto zum Parkplatz Wimbachbrücke und lösten dort ein Ticket für einen Tag (7,- € ohne Gästekarte...). Um 02:45 Uhr begannen wir mit unserer Tour, die uns mit knapp 24 km reiner Gehstrecke aufwartete, wobei 2.400 Hm im Auf- und Abstieg, sowie die Kletterei auf dem Grat das Vorhaben etwas würzten. 😅
Magische Dämmerung.
Gaaanz langsam kündigt sich der Tag an.
Wie schon beim Brunntalgrat hatten DF und ich Glück und es war Vollmond. Dadurch wurde der Aufstieg erheblich erleichtert. Der Weg wurde zwar schon nach einiger Zeit etwas steiler, aber nie wirklich schmal oder gefährlich. Erst ab der Falzalm mussten wir mehr aufpassen, da durch den Schnee, der hier einige Tage zuvor noch gelegen hatte, einige Stellen nass und rutschig waren.
Kurz unterhalb vom Watzmannhaus.
Um 06:00 Uhr kamen wir am Watzmannhaus auf 1.930 m an und hatten damit bereits etwa 1.300 Hm geschafft. Ab diesem Punkt hatten wir eine faszinierte Aussicht, die mit dem baldigen Sonnenaufgang immer spektakulärer wurde.
Das Watzmannhaus mit Traumkulisse.

Team Stoffel am Watzmannhaus. 
Am Watzmannhaus machten wir eine kurze Frühstückspause und waren geschockt von den Massen, die sich aus dem Haus in Richtung Hockeck wälzten. Und da wollten wir hoch!? Ich hoffte inständig, dass die meisten lediglich bis zum Hocheck gehen würden, um dann wieder umzudrehen.
DF beim Aufstieg zum Hocheck. 

Ja, ich schaue nicht glücklich. Mir war viel zu viel los...😰
Der Weg zum ersten Gipfel des Watzmannmassivs auf 2.651 m ging in felsigem Gelände über gut erkennbare Trittspuren mühselig nach oben. Am schlimmsten waren die vielen Menschen, die einen entweder ausbremsten oder schoben - und das obwohl wir an einem Wochentag unterwegs waren! Ich begann aufgrund der hohen Frequentierung zeitweise an der Tour zu zweifeln...! 😨
Panorama-Blick ins Tal. Das Watzmannhaus wird immer kleiner. 
Youtuber bei der Arbeit - mit magischem Hintergrund. 
Um 08:30 Uhr hatten DF und ich das Hocheck und damit den ersten Gipfel für diesen Tag erreicht. Dort oben trampelten sich die Menschenmassen fast gegenseitig zu Tode und es war eine Kunst am Biwak die Klettersteigausrüstung anzulegen. Vielen Dank nochmal an den netten Mann, der für uns auf der Bank ein wenig Platz gemacht hat. 😀 Theoretisch und praktisch hätte es dort oben  ein Geocache gegeben, aber es war unmöglich dieses zu heben...
Komisches weißes Zeug auf dem Weg nach oben...
Der total überlaufene Gipfel vom Hocheck. 
Team Stoffel am Hocheck.

Ein Blick auf den weiteren Weg und rechts das Biwak.
Danach ging es auf den aussichtsreichen und schönen Grat, auf dem wir leider geschoben wurden wie auf der Zeil (damit meine ich die große Fußgängerzone in Frankfurt am Main). 😕 Es war fast unmöglich kurz stehen zu bleiben, um zu filmen oder zu fotografieren, da bereits von hinten wieder Leute kamen. Und wenn wir jemanden vorbei ließen, dauerte es keine zwei Minuten, bis wir hinter uns bereits die nächsten Stimmen hörten. Das war echt gruselig!
Der Königsee im Nebel verborgen.

Ganz ohne ist auch dieser Grat nicht...
Nach einer knappen Stunde hatten wir die Mittelspitze (2.713 m) erreicht. Der Gipfel dort war auch zu stark bevölkert, um in Ruhe Pause zu machen, weshalb DF und ich unseren Weg direkt fortsetzten.
DF an der Mittelspitze.
Welcher arme Kerl muss eigentlich die Schilder da hoch schleppen...?
Der Weg bis zur Mittelspitze war locker zu gehen gewesen. Ab diesem Gipfel begann der Grat jedoch etwas ekliger zu werden.
Der weitere Weg - und eine gute Portion Nebel. 

Bester "Straßenbelag"...
In stetigem Auf und Ab ging es auf teils recht schmalen Pfaden immer weiter in Richtung Südspitze. Und noch immer waren es nicht weniger Menschen geworden, die sich dort oben tummelten. Besonders schockierten mich zwei Trail-Runner, die am Grat joggten. Von mir aus, wer es braucht, ABER: kommt bitte nicht so klammheimlich von hinten angerannt und versucht euch einfach vorbei zu drängeln! Ich habe mich total erschrocken und DF, der gerade am filmen war, hat euch erst gar nicht bemerkt.
Diese Rampe ging es hoch. 

DF vor dem phantastischen Königsee. 
Ab dieser Passage erhaschten wir erste Blicke auf die berüchtigte Ostwand und das dortige Biwak. Wir konnten sogar einige Bergsteiger in der Wand entdecken und sahen, dass selbst die Ostwand an diesem Tag ziemlich gut besucht war...
Der Blick zur Südspitze. Der Pfeil markiert die Biwakschachtel. 
Auf unserem Weg fanden wir schließlich die gut erkennbare Ausstiegsstelle aus der Route. Da sich genau in diesem Moment eine Gruppe dort hinaufarbeitete, nahmen DF und ich von unseren Ursprungsplänen Abstand, einige Meter der Ostwand von oben zu erkunden.
Die letzten Meter.
Um kurz vor 12:00 Uhr erreichten wir die Südspitze (2.712 m), die vollkommen überlaufen war. Eine ruhige Pause war auch hier nicht möglich. 😐 Eine Müsliriegel- und Gipfelbucheintragspause später machten wir uns an den laaaaangen Abstieg. 
Südspitze erreicht! 
Traumhaftes Gipfel-Panorama.
Ich hatte schon viel von dem Abstieg an der Südspitze gehört und muss sagen, dass alle Erzählungen stimmen. Er ist lang, eklig und nimmt kein Ende! 
Zuerst kam ein Stück, in dem sich leichte Kletterstellen immer wieder mit Gehgelände abwechselten. Durch diese ständigen Wechsel verlor man weder an Höhe, noch machte man großartig Strecke. Es zog sich wie Kaugummi...!
Der Abstieg - der linke Pfeil markiert die Gumpe, der rechte das Wimbachgries. 
Danach kam mein persönlicher Albtraum: ein langes, recht steiles Schotterfeld. Das gemeine war, dass der feine Rollsplitt so dünn auflag, dass man die Füße nicht hinein graben konnte, aber doch wieder ausreichend genug, um ständig ins Rutschen zu kommen. Auf dem Stück bis zu einer Gumpe auf etwa 1.800 m rutschte ich mehrfach aus. Das Resultat war ein verschrammter Ellbogen, ein teilweise bis ins Nagelbett weggebrochener Nagel und viele andere, kleine, blutige Schrammen. Meine Laune befand sich an einem ziemlichen Tiiiiefpunkt...😔
Schotter, Schotter, Schotter...
DF und ich entschlossen uns dazu, eine Pause an der Gumpe zu machen. Dort konnten wir unsere Wasservorräte auffüllen und an dieser Stelle hatten sich die Menschenmassen so verteilt, dass wir zeitweise ungestört waren. Die Pause tat mir gut, um wieder ein wenig runter zu kommen. Ich mag keine Abstiege und nachdem ich mich einige Male hingelegt hatte, war ich die letzten Meter dermaßen angespannt gegangen, dass ich fix und fertig war. 
Vielen lieben Dank auch noch an die zwei jungen Männer, die uns ihre Magnesium- und Calcium-Brausetabletten angeboten haben. Das fand ich total nett von euch. Ich hoffe, dass ihr gut runter gekommen seid. 😃
Das Wimbachgries kommt langsam näher. 
Nach dieser Pause ging es an den nächsten Teil vom Abstieg, der zwar immer noch unangenehm, aber längst nicht mehr sooo schlimm war. DF hatte mich schon gewarnt, dass es Ähnlichkeiten zur Schellschlicht geben würde und mit diesem Vergleich lag er ziemlich richtig. Wir stiegen mehr oder weniger in ausgewaschenen, erdigen Rinnen ab. In zwei dieser Rinnen war je eine Kette gespannt, an der man sich festhalten konnte. Das war aufgrund der Steilheit auch durchaus ratsam.
Eine der beiden Ketten.
Um 16:45 Uhr standen wir eeeendlich unten im Wimbachgries auf etwa 1.500 m. Wie auch immer man auf den Wegweisern behaupten konnte, dass man für den Abstieg bis zur Wimbachgrieshütte nur zwischen zwei und drei Stunden brauchen sollte, blieb mir jedenfalls ein Rätsel. 
Dann begann der lange und eintönige Rückweg. Der erste Teil bis zur Wimbachgrieshütte war noch recht abwechslungsreich, da man auf kleinen, verschlungenen Pfaden durch das Gries marschierte. Durch den lockeren Stein-/Kiesboden kam es mir oft vor wie ein Strandspaziergang. 
Im Anschluss folgte ein recht langweiliger, breiter Fußweg. Wir hatten noch etwa 10 km und knappe 600 Hm bis zum Auto zurück zu legen...
Das Gries ist erreicht. 
DF und ich legten immer mal wieder eine kurze Pause ein, um die Füße zu entlasten. Der Weg zog sich gefühlt in die Unendlichkeit. 😐 Ganz gemein fand ich, dass kurz vor dem eigentlichen Parkplatz der Weg noch einmal kurz nach oben führte, nur um dann richtig steil in den Ort zu münden. Das war Folter pur für meine Knie. 
Um etwa halb acht erreichten DF und ich schließlich im letzten Tageslicht unser Auto am Parkplatz, fix und alle, aber glücklich! 

Fazit zur Tour:
Wenn das nicht eine angemessene Tour zum ersten Hochzeitstag war, weiß ich auch nicht! 😀
Die Watzmann-Überschreitung an einem Tag ist weit, hart, fordernd und gleichzeitig sehr abwechslungsreich. Die Ausblicke zum Watzmannhaus beim Sonnenaufgang waren phänomenal, die Tiefblicke auf den Königsee wunderschön und der Weg über den Grat war die ganze Zeit spannend. Es war von der Schwierigkeit keine Tour, die mich überfordert hat, aber sie wurde auch nie langweilig - vom Rückmarsch im Tal einmal abgesehen. 
Die Tour an einem Tag zu gehen, ist ein ziemlicher Gewaltmarsch. Wir haben insgesamt 16 1/2 Stunden gebraucht. Man kann sich die Tour durch eine Übernachtung am Watzmannhaus und/oder im Wimbachhaus erleichtern. 😉
Was mich an der Tour jedoch erschreckt hat, waren die Menschenmassen, die sich über den Grat am Watzmann gewälzt haben. Es waren Verhältnisse wie zur Rush Hour im Höllental. 😒
Die Überschreitung war definitiv eine Erfahrung, aber ich werde sie sehr wahrscheinlich nicht noch einmal machen, dafür war mir einfach zu viel los. 

Hier findet ihr das Video von DF: Watzmann-Überschreitung zum 1. Hochzeitstag

Bis zur nächsten Schandtat! 😉

Eure Katharina 

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