Mittwoch, 29. April 2026

Auf den höchsten Gipfel im Serleskamm - Kirchdachspitze über Jubiläumssteig

Hi! 😊

Der höchste Gipfel im Serleskamm, die Kirchdachspitze, schwebte DF und mir schon seit Jahren vor - auch weil uns die Sicht auf die benachbarte Ilmspitze interessierte, auf deren Gipfel wir in dickem Nebel gestanden hatten. 😅 Zudem wären wir mit diesem Gipfel unserem Ziel den gesamten Serleskamm einmal besucht zu haben, wieder ein Stück näher. 
Die Sonne kommt kurz unterhalb des Silbersattels zum ersten Mal für uns hinterm Berg hervor.
Mit einer Länge von knapp 19 km und 1.900 Höhenmetern im Auf- und Abstieg versprach die Tour durchaus anstrengend zu werden. Ob wir eine gute Sicht auf die Ilmspitze bekamen und ob man erkennen konnte, warum die Kirchdachspitze hieß wie sie hieß? Das lest ihr hier! 😄

DF und ich starteten um 04:30 Uhr im Ortsteil Neder. Dort wurden wir davon überrascht, dass die Brücke, die zwei Jahre zuvor über den Pinnisbach geführt hatte, nicht mehr da war. Stattdessen wurde man über einen deutlich schmaleren Fußgängersteg über den Bach geleitet. Vorbei ging es zunächst an altbekannten Punkten, die wir von unserem Ausflug zum Besinnungsweg im Jahr 2023 kannten. 
Noch ist es dunkel im Pinnistal. 
Über den breiten, aber deshalb nicht weniger steilen Fahrweg marschierten wir zur Issenanger Alm - oder wie DF sagen würde zur "Warum-steht-der-Stein-noch-Alm". 😂 Das hat damit zu tun, dass wir bei unserem ersten Aufenthalt dort besten Blick auf die Hauptdolomit-Wände im Serleskamm hatten und dort tatsächlich ein Felsen stand, bei dem man sich nur wundern konnte, warum er nicht schon längst ins Tal gekullert war. 😅
Kurz hinter der Alm wird es langsam hell - man sieht sogar die "Wegelagerer". 😂
Auf Höhe der noch ruhigen Alm begann es allmählich zu dämmern. DF und ich folgten weiter dem Fahrweg und betraten nun für uns unbekannte Teile im Pinnistal. Um 05:35 Uhr erreichten wir auf 1.360 m den Wegweiser zur Kirchdachspitze über den Rohrauersteig. Angeblich sollten es fünf Stunden über diesen Weg bis zu unserem Tagesziel sein. Da wir den Rohrauersteig als Abstieg geplant hatten und am Nachmittag genau an dieser Stelle wieder auf den Fahrweg treffen wollten, ging es für uns weiter hinauf im Tal. 
Das nenne ich Morgenlicht. 😍
Das Tal öffnete sich immer mehr und wir hatten eine beeindruckende Sicht auf die gewaltigen Wände des Serleskamms, während der Habicht weit vor uns in immer schönerem Alpenglühen angeleuchtet wurde. 
Was ist denn da am Wegesrand?
Um 06:25 Uhr erreichten DF und ich das erste Highlight des Tages: den gespaltenen Stein auf etwa 1.541 m! 😀 Dieser äußerst beeindruckende Findling hat offenbar einen sehr geduldigen Menschen zu äußerst raffinierter und überraschender Kunst inspiriert. 😁 Wenn man zwischen den zwei Felsteilen hindurch geht, ist man übrigens sehr froh über die Stahlstifte, die über einem den Stein zusammenhalten. 😅
Ist das Kunst? Oder kann das weg? 

DAS ist Kunst! 😁
Nach diesem genialen Naturschauplatz ging es für uns weiter in Richtung Pinnisalm - und über dem gesamten Tal thronte der wunderschöne Habicht im herrlichsten Morgenlicht. Allein für diesen Anblick lohnt es sich früh morgens ins Pinnistal zu gehen! 😊 Wir passierten die Alm und erreichten um 06:50 Uhr auf 1.610 m den Abzweiger zum Jubiläumssteig (den muss es wohl irgendwie in jedem Gebirge geben 😂) zur Kirchdachspitze. Ab hier sollten wir für die fehlenden 1.200 Höhenmeter laut Schild 3 1/2 Stunden brauchen - das war für diesen Anstieg recht ambitioniert. 😅 Und falls ihr euch wundert, weshalb auf dem Wegweiser 1.670 m steht, das liegt daran, dass das Schild wohl erst ein Stück weiter oben stand, der Weg aber inzwischen verlegt wurde. Es irritiert nur ungemein, wenn die Höhenangaben gleich gelassen werden...
Der Abzweiger und DF bei der Querung des reißenden Pinnisbaches. 😀
Über einen kleinen Trampelpfad gingen wir durch ein Wäldchen und schließlich auf einfachstem Wege über das angrenzende Gries und den Pinnisbach. Auf der anderen Seite erwartete uns bereits der bestens markierte Wanderweg. Und ab dieser Stelle begann ein wahres Serpentinen-Massaker. 😅 DF und ich hatten noch nie so viele und so enge Zickzack-Serpentinen wie auf dem Jubiläumssteig. Die meiste Zeit schwankten wir zwischen Drehwurm und Schleudertrauma. 😂
DF an den ersten Kehren des Steigs. 
Steil, aber unschwierig ging es zwischen den Latschen stetig am Hang hinauf. Über dem morgendlichen Pinnistal thronte der Habicht und auf der anderen Talseite erstrahlte das Elfer-Massiv im Morgenlicht. 😍Da es wieder ein ausgesprochen heißer Tag werden sollte, waren DF und ich sehr dankbar für den westseitigen Aufstieg im Schatten. 😎
Eine längere Querung - und der formschöne Elfer gegenüber. 😀
Den vielen Serpentinen folgten immer wieder längere Querungen am Hang, die einen auf die nächste Geländestufe führten. An einigen Stellen gab es Seilversicherungen, die aufgrund der Steilheit ihre Berechtigung hatten. So war es ein dauerndes Wechselspiel zwischen exponiertem Gelände, einfachem Gehgelände, Querungen und heftigstem Zickzack. An einigen Stücken durfte man die Hände aus den Hosentaschen nehmen, aber als echte Kletterei würden wir das noch nicht bezeichnen. 😉
Nach oben kein Thema...

...aber nach unten wird es steil. 

Und irgendwo dort geht es weiter hinauf. 
So schraubten wir uns munter nach oben und erblickten um 08:20 Uhr eine alte, aber nicht weniger beeindruckende Bekannte: die Ilmspitze! 😊 Auf ihrem Gipfel hatten wir im Jahr 2020 bereits gestanden und wir waren sehr gespannt wie der abweisende Felsklotz von der Kirchdachspitze aussehen würde. 😆 Aus der Perspektive am Jubiläumssteig wirkte sie (wie immer) schrecklich und einfach nur unmöglich. 😅 Aber auch die Ausblicke auf Elfer- und Zwölferspitze, sowie auf den gesamten Kamm zum Habicht waren genial. 
Immer wieder beeindruckend: die Ilmspitze! 😎

Die ewigen Serpentinen des Steigs...😅
Wiesenrücken wechselten sich mit kleinen Felsstufen oder Latschenfeldern ab, so dass der Weg kurzweilig blieb. Auf etwa 2.350 m führten die Markierungen direkt über eine kleine Schlucht, die sich von ganz oben den gesamten Hang ins Tal hinunterzog. Der Fels war hier so abgeschliffen, dass er weiß strahlte. Bei gutem Wetter war diese Stelle ein richtiger Hingucker, aber bei Regen wollten DF und ich uns nicht vorstellen, was an dieser Stelle für Wassermassen den Berg hinunterschießen dürften. 😶
Blick an der "weißen Rinne" nach oben und nach unten.

Die nächsten Geländestufen.
Für uns ging es linksseitig dieses Grabens weiter hinauf. Das Gelände wurde punktuell durchaus anspruchsvoll. Ein falscher Schritt auf dem feinsplittrigen Untergrund hätte an einigen äußerst exponierten Stellen sehr schnell mit schweren Verletzungen oder mehr enden können. Umso froher waren wir über die Wanderstöcke, die auf dem rutschigen Untergrund besseren Halt gaben. Dass der Weg nicht ohne war, zeigte uns etwas später eine Gedenktafel für eine junge Frau. 😥 Direkt im Anschluss an diese traurige Erinnerungsstätte fanden wir wieder vermehrt Seilversicherungen vor. 
Hier ging es ziemlich direkt am Abgrund entlang...

Zum Glück seilversichert. 
Das Gelände blieb durchweg steil, aber gut gangbar, wobei es nonstop Trittsicherheit und Aufmerksamkeit erforderte. Eine kleine Rinne mit Mini-Kletterei war ein kleines Highlight für uns beide. 😀 Und die Ausblicke auf die Felstürme der gewaltigen Ilmspitze wurden mit jedem Höhenmeter nach oben besser. 😁
Die spaßige Rinne. 😀

Eine coole Querung. 

Die Ilmspitze wirkt hier sogar größer als der Habicht. 😆
Der Steig nutzte geschickt die Schwachstellen im Gelände und führte uns sehr direkt weiter nach oben, während das Pinnistal zu unseren Füßen immer kleiner wurde. Um etwa 10:00 Uhr befanden wir uns auf 2.550 m und fanden die perfekte Pausenbank für eine Frühstückspause vor! 😋 An dieser Stelle hatten wir zum allerersten Mal einen Blick auf die andere Seite des Serleskamms in Richtung Kesselspitze. Der sah irgendwie schöner aus, als der noch fehlende Restanstieg zum Silbersattel, der Senke unterhalb der Kirchdachspitze. 😅
Sieht unübersichtlicher aus, als es letzten Endes war. 

Die Traumbank! 😍

Aussicht zur Kesselspitze.

Suchbild: Wo ist DF? 😁
DF und ich nutzten die Bank für eine ausgiebige Pause, während das immer frequentiertere Tal zu unseren Füßen lag. So ließ es sich sehr gut aushalten! 😎
Hier lässt es sich aushalten. 😊
Eine knappe halbe Stunde später nahmen wir die letzten 290 Höhenmeter in Angriff. Von weitem sah der Aufschwung bis zur Scharte unmöglich aus, aber kaum kam man näher, führten einen die Markierungen zwar steil und etwas rutschig, aber doch sicher hinauf. Nur wenig oberhalb von unserer Pausenstelle begegneten wir drei jungen Steinböcken, die uns in dem steilen Gelände ohne große Schwierigkeiten eine lange Nase zeigten. 😂 Es war absolut irre anzusehen wie schnell und wendig sie auf diesem abschüssigen Terrain unterwegs waren. Kurz unterhalb des Sattels veränderte sich das Gestein und wir hatten bei jedem Schritt wieder das wenig beruhigende, helle Klirren von Schiefer. 😅
Die drei jungen Steinböcke. 😀

Steil war der Steig hinauf zum Silbersattel schon...

Ein Zeichen der Zivilisation - und von jetzt auf gleich anderes Gestein.
Um 11:15 war es geschafft und wir standen auf 2.750 m im Silbersattel unterhalb des Gipfels der Kirchdachspitze. Vor uns lag ein letzter, plattiger und zum Teil mit Stahlseilen versicherter Aufschwung, der den absoluten Pfiff durch eine Haushaltsleiter bekam. Wurde die Leiter hoch geflogen oder hat sie jemand getragen? Zumindest habe ich damit auf etwa 2.800 m Höhe definitiv nicht gerechnet. 😅
Wegweiser im Silbersattel und Ausblick auf die letzten Meter.

Schöne Platten, perfekt versichert und markiert. 

Deswegen das Klettersteigsymbol in den Karten?! 😂😂😂
Gegen 11:30 Uhr war es geschafft und wir hatten den Gipfel der Kirchdachspitze mit 2.840 m erreicht! Wir standen auf dem höchsten Gipfel im gesamten Serleskamm, dessen Namensgeberin gaaanz weit entfernt gerade so über die Kesselspitze hinauslugte. 😁 Die Aussicht war sehr interessant: in Richtung Gschnitztal konnte man das "Kirchdach" sehen und unten im Tal die erschreckend große Baustelle nach dem schlimmen Murenabgang wenige Wochen zuvor. All das wurde streng von den Tribulaunen auf der Talseite gegenüber bewacht. Ein wenig enttäuschend war dagegen die Ilmspitze, die sich fast nicht abhob und total unscheinbar neben den Kirchtürmen stand. 😅
Team Stoffel auf der Kirchdachspitze! 😎

Blick zum Habicht und davor sehr unscheinbar die Ilmspitze.

Der Blick ins Gschnitztal mit den Tribulaunen auf der anderen Seite.

Aussicht ins Pinnistal mit der Serles gaaanz weit hinten.
Leider waren wir am Gipfel nicht alleine und der andere Bergsteiger blockierte fast die gesamte Zeit das Gipfelkreuz. DF und ich machen ja auch gerne eine Aufnahme am Gipfelkreuz, aber dann sehen wir zu, dass wir Platz machen, dass jeder in den Genuss kommen kann. Deswegen fanden wir es unmöglich, dass er sich dort häuslich niederließ. 😑 Zumindest den kleinen Vorgipfel hatten wir für uns, weil er sich dort nicht hinüber traute...😅
DF am Vorgipfel.
So kam es auch, dass wir uns nicht allzu lange an unserem Gipfelziel aufhielten und um 12:00 Uhr bereits wieder im Silbersattel standen. Fürs erste folgten wir dem Wegweiser in Richtung Padasterjochhaus. Wir mussten bis auf etwa 2.430 m zu unserem nächsten Abzweiger absteigen. 
Weil's so schön war: die Leiter von oben. 😅

Die ersten Meter im Abstieg - zu den grünen Hängen weiter hinten müssen wir.
Die ersten Meter ging es steil und schottrig auf dem gut erkennbaren und wieder sehr gut markierten Weg hinab. Es folgten sogar einige mit Stahlseilen versicherte Passagen, die dem ganzen den gewissen Pfiff gaben. Der Ausblick auf die benachbarte Hammerspitze oder der Rückblick zur Kirchdachspitze waren bei jedem Schritt anders und atemberaubend schön. 
Rückblick zur Kirchdachspitze.

Der pfiffige Wegverlauf in Richtung Hammerspitze.
Auf dem guten Pfad kamen DF und ich flott voran, so dass wir eine halbe Stunde später bereits auf 2.500 m auf einem großen Grasrücken standen. Ihr glaubt gar nicht wie verlockend es war sich ins Gras zu schmeißen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen! 😅
Was für ein schönes Fleckchen Erde. 😊
Der äußerst angenehme Weg führte uns ohne Probleme innerhalb von zehn Minuten zum nächsten Wegweiser. DF und ich hatten die letzte Hürde für diesen Tag erreicht, denn um über den Rohrauersteig zur Issenangeralm absteigen zu können, mussten wir noch einmal gute 80 Hm aufsteigen. 😅 Der Weg führte steil und auf teilweise äußerst ramponierten Treppenstufen am Hang der Hammerspitze hinauf. Ab hier lohnte sich ein Blick zurück, denn nun zeigte sich woher die Kirchdachspitze ihren Namen hatte. Aus diesem Blickwinkel erinnerte sie tatsächlich ein ein langgezogenes Kirchdach mit dem Kirchturm als höchsten Punkt. 😊
Der hoffentlich letzte Anstieg des Tages. 😅

Der gut sichtbare Pfad am Hang der Hammerspitze.

Rückblick zur imposanten Kirchdachspitze.
Zügig führte der Weg uns hinauf uns schließlich in die steile Flanke der Hammerspitze hinein. Hierbei nutzte der Pfad das Gelände bestmöglich aus, denn unterhalb gab es teilweise senkrechte Steilabbrüche. Also hieß es auch an dieser Stelle: vorsichtig unterwegs sein. 😅 DF und ich befanden uns allerdings noch im Wohlfühlgelände. 😅 Gegen 13:00 Uhr hatten wir den nächsten Wegweiser erreicht und hielten uns links in Richtung Rohrauersteig. Theoretisch sollte es jetzt nur noch bergab gehen. 😃 
Der Abzweiger und ein guter Ausblick auf den Abstiegsweg.

Der Serleskamm - dieser Abschnitt fehlt uns noch.
Wir nutzten das leichter werdende Gelände für eine kleine Mittagspause, ehe wir uns frisch gestärkt an den Abstieg machten. Vom Rohrauersteig hatte ich im Internet oft gruselig klingende Berichte gehört, die ich im oberen Teil nicht bestätigten konnte. DF und ich gingen auf sehr guten Pfaden weiter in die Bergflanke hinein, querten ein Schotterfeld und schließlich marschierten wir auf Luxus-Wegen durch wunderschöne Bergwiesen. Das Gelände war so gut gangbar, dass wir in weniger als einer Stunde circa 600 Höhenmeter abbauten. 😁
Der obere und sehr angenehme Teil des Rohrauersteigs.
Schließlich führte der Pfad in die ersten Latschenfelder hinein und dank der Sommerhitze kamen wir uns vor wie in einer Sauna mit entsprechendem Aufguss! 😵 Später steigerte es sich ins Stadium "gares Brathähnchen", denn die Sonne strahlte unbarmherzig auf den westseitig gelegenen Hang und die Latschenkiefern speicherten jedes noch so kleine Grad. 😵
Ab hier war frieren unmöglich. 😂
Ab circa 1.975 m veränderte sich die Geländebeschaffenheit merklich. Die Wiesenhänge zogen sich zurück und ein Mix aus Erde, Tannennadeln und Geröll führte uns durch die Latschengassen. Aber noch immer war das Terrain ausgesprochen gutmütig und ich verstand die Aufregung um den Steig nicht. 😅
Zur Abwechslung gab es Serpentinen. 😅
Auf etwa 1.935 m kamen DF und ich an der sogenannten "Einsperre" vorab, die im Kartenmaterial als Unterstand eingezeichnet ist, aber ehrlich gesagt viel eher einen Lost Place darstellte. Es handelt sich hierbei um einen alten Viehunterstand, in den die Hirten früher die Tiere in der Nacht getrieben haben. Es war noch erstaunlich viel von dem Gebäude vorhanden.
Die Einsperre.
Nun ging es auf sehr direkten und rutschigen Serpentinen weiter hinab, während DF und ich immer mehr der Meinung waren in einem Hochofen festzustecken. Auf etwa 1.870 m passierten wir einen kleinen Bach und nutzten diesen direkt, um uns ein wenig abzukühlen. Und das war auch gut so, denn nach der nächsten Biegung zeigte der Rohrauersteig noch einmal seine Zähne. 
Der Steig und DF am Bachlauf.
Die Issenangeralm lag etwa 400 Höhenmeter unter uns und wirkte bereits zum Greifen nahe, doch wirklich näher kamen wir durch das schwierige Terrain kaum. Der Weg befand sich nun immer häufiger im Absturzgelände und war in einem nicht sonderlich guten Zustand. Es folgten mehrere seilversicherte Steilstufen mit Trittklammern, bei denen ein Schritt zu weit nach links oder rechts den Direktflug ins Tal bedeutet hätte. Äußerst rutschig und steil ging es nun zur Sache und die Wanderstöcke leisteten wieder gute Dienste. 
Jetzt wird der Steig doch noch einmal giftig.

Vertrauenserweckend geht anders...

Tiefblicke waren garantiert. 😅
Zwischendurch kamen immer wieder kürzere Querungen, bei denen man dachte, dass es leichter würde, aber man wurde sehr schnell eines Besseren belehrt. Über schiefe, teils ausgebrochene Stufen und weitere Drahtseilpassagen traversierte man am Hang oder ging diesen gefühlt senkrecht hinab. An vielen Stellen waren ganze Erdbrocken und mit ihnen die Holzstufen herausgebrochen, was nicht gerade unser Vertrauen weckte. 😅 
So sieht die Querung ja ganz angenehm aus...

So schon etwas weniger...😅

Hier hat der Zahn der Zeit gut genagt.
Als ob die Hitze und der anspruchsvolle Pfad nicht genug waren, gab es zwischendurch immer kleinere Gegenanstiege. 😬 Nach einer knappen halben Stunde, die uns deutlich länger vorkam, war es geschafft und der Weg wurde besser. In steilen Serpentinen, aber nicht mehr ausgesetzt, ging es nun direkt in äußerst dichte Latschenfelder hinein. Die Absturzgefahr war gebannt, dafür wurde der Hitzestau, in den wir hineinmarschierten, fast unerträglich. 😅
Ganz langsam wird es besser.

Ab in die Latschen mit einem schönen Blick in den Talkessel.
Wir querten ein letztes Schotterfeld, zickzackten durch einige Latschenfelder und standen schließlich wieder auf dem Fahrweg oberhalb der Issenangeralm. Wir hatten den Abzweig vom Morgen erreicht. 
Eindeutige Markierungen. 😂

Fast an der Alm...😅
Um 15:30 Uhr gab es auf der Alm die verdiente Belohnung für diese Hitzeschlacht. 😋 Die super freundliche Bedienung fragte uns, von wo wir kämen und als wir es erzählten, meinte sie, dass sie als Jugendliche bei Sommerhitze und ohne Wasser von ihrem Vater einmal mit auf die Tour genommen worden wäre, seitdem hätte sie vom Rohrauersteig genug. 😅 Das konnten wir gut nachvollziehen, denn wir fanden es schon mit ausreichend Wasser äußerst zermürbend. Umso besser schmeckten die Schorlen und der Kuchen. 😍
Auf der Issenangeralm - super lecker! 
Danach mussten wir es nur noch über den äußerst steilen Fahrweg zurück zu unserem Auto rollen lassen. 😀

Ein Video von DF wird es natürlich geben! 😄


Fazit zur Tour:
Bereits der Aufstieg durch das traumhaft gelegene Pinnistal mit dem gespaltenen Stein und der grandiosen Aussicht auf Habicht, Elfer- und Serleskamm war ein Erlebnis. 😊
Der Jubiläumssteig zum Silbersattel hatte die meisten und zackigsten Serpentinen, die wir jemals erlebt hatten - und ganz gleich wie unmöglich das Gelände auch schien, führte er einen immer recht sicher hinauf. 
Mein persönliches Highlight war die Haushaltsleiter auf 2.800 m. Wie auch immer die dorthin gekommen ist! 😂 Der Ausblick von der Kirchdachspitze war gigantisch, nur die Ilmspitze "enttäuschte", da sie neben ihrer Nachbarin regelrecht unterging. 
Der Abstieg, insbesondere der Rohrauersteig, wartete mit überraschender Schönheit und Steilheit auf. Kurz vor Schluss gab es noch einmal den gewissen Schnick für den höheren Puls. 😅
Alles in allem war es eine Fünf-Sterne-Tour, die einiges an Trittsicherheit, aber nur eingeschränkt Kletterfertigkeiten verlangt. Für den versierten Bergsteiger, der ursprüngliche Wege abseits der großen Massen liebt, ist es eine Traumtour! 😍


Bis zur nächsten Schandtat! 😄

Eure Katharina 

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