Mittwoch, 19. August 2026

Aufs wilde Lärchegg - der unscheinbare Eckpfeiler im Wilden Kaiser

Hi! 😀

DF und ich haben die Bergsaison 2026 im Wilden Kaiser begonnen und wollten es am ersten Tag nicht direkt übertreiben. 😅 Da es darüber hinaus brütend heiß war, entschieden wir uns für einen Gipfel mit größtenteils nordseitigem Aufstieg: das Lärchegg oder auch Lärcheck. Über die korrekte Schreibweise streiten sich die Fachleute...😂
Blick hinüber zum Mitterkaiser.
Ob unser Plan ohne zu schmelzen oben anzukommen, aufgegangen ist und wie diese "Aufwärm-Runde" ansonsten war, das erfahrt ihr hier! 😁

DF und ich starteten um 07:00 Uhr an der Griesener Alm im Kaiserbachtal. Am ersten Wegweiser oberhalb der Alm hielten wir uns links in Richtung Griesenau. Unser Tagesziel wurde auf den Schildern übrigens nicht erwähnt. Auf einem gut ausgebauten und breiten Forstweg spazierten DF und ich die nächste Viertelstunde knappe 80 Hm hinab und dabei vorbei an interessanten Spiel- und Lernstationen im Wald. Leider wollten wir keine Zeit vertrödeln, so dass mein inneres Kind sich nicht austoben konnte. 😅
Was für Spielkinder. 😅
Gegen 07:30 Uhr erreichten wir einen Abzweiger zu einem kleinen Waldpfad, der laut Wegweiser zu unserem Tagesziel und zur Ackerlspitze führten sollte. Bis zum Gipfel des Lärcheggs sollte man über einen schwarzen Weg etwa vier Stunden brauchen. Und da wir hier vom Wilden Kaiser reden, kann man den schwarzen Weg durchaus ernst nehmen und sehr schwarz sehen. 😅
Der Abzweiger - man beachte die Höhenangabe für das Lärchegg. 😃
Der gemütliche Pfad hielt keine fünf Minuten an, ehe es auf einer kleinen Schotterreise näher an eine steile Felswand ging. DF und ich fragten uns bereits wo und wie man dort hinauf gelangen sollte, als wir das erste Stahlseil sahen. 
DF im Schotterfeld und vorne die Steilwand. 
Der markierte Pfad folgte nun einem Muster aus steilen, drahtseilversicherten Passagen, kurzem Gehgelände und steilerem Schotter. Diese drei Untergrundarten wechselten sich munter ab. Dadurch war der Weg einerseits abwechslungsreich und kurzweilig, legte aber gleichzeitig einen ordentlichen Kaltstart mit der vorhandenen Steilheit hin. 😅 Und obwohl wir nordseitig und noch im Schatten unterwegs waren, war die Luft so warm und dampfig, dass DF und ich förmlich zerflossen...🥵
Dank Seil nicht zu schwer, aber immer steil. 

Der Aufstieg ist ein wenig ruppig, aber spannend... 

...und perfekt markiert! 
Nach einer knappen Stunde veränderte sich die Geländebeschaffenheit: die Stahlseile blieben aus und wurden von großen Schotterfeldern ersetzt, an deren Rändern man mühsam hinauf stapfte. Die folgenden Felsstufen wurden meist durch eine sehr geschickte Wegführung zwischen den Latschen überwunden. 
Unsere Hoffnung, dass es weiter oben kühler sein würde, erfüllte sich leider nicht. Auch nach den Latschengassen blieb die Luft unangenehm warm und es regte sich kein Lüftchen, so dass wir im eigenen Saft garten...😵
Eine interessante Markierung und viiiel Schotter. 

DF am Rand des Schotterfeldes. 
So anstrengend und mühsam der Aufstiegsweg auch war, gleichzeitig war er perfekt markiert. Das machte zumindest die Orientierung leichter. 😅
Perfekte Markierungen wohin man blickt! 👍
Ab etwa neun Uhr konnten DF und ich unser Tagesziel erkennen, das sich neben der Hinteren Gamsflucht über dem Kleinen Griesener Tor eindrucksvoll aufbaute. Wir waren so beeindruckt, dass wir eine Frühstückspause einlegen "mussten". 😉😋 Gegen 09:30 Uhr war es soweit und wir standen am Abzweiger vom Hauptweg hinauf zum Lärchegg. 
Das Lärchegg verdeckt die Sonne noch - davor das Kar "Kleines Griesener Tor". 

Am Abzweiger - der Weg führt zur Fritz-Pflaum-Hütte.
Der Weg machte auf etwa 1.610 m einen deutlichen Knick und führte direkt nach Westen in dem steilen Schotterkar hinauf. Leider war die Sonne inzwischen so hoch am Himmel, dass wir ordentlich geblendet und gebacken wurden. 😅
Viel Schotter voraus - und wem fällt an dem Wegweiser etwas auf? 😄

Trittspuren leiten mühsam hinauf.
Bis auf etwa 1.715 m waren die Schotterspuren gut gangbar, danach bestand die Auflage mehr aus Rollsplitt, so dass es deutlich anstrengender wurde. Uns war bereits hier klar, dass dieser Abschnitt auch im Abstieg ätzend werden würde. 
Insgesamt hatten DF und ich etwas über 300 Hm in dem Geschotter zurückzulegen und die brachten uns ordentlich ins Schwitzen. Was uns aber zusätzlich die Schweißperlen auf die Stirn trieb, war das rücksichtslose Verhalten anderer Bergsteiger. DF und ich befanden uns in den Serpentinen im Aufstieg und von oben hatten zwei andere Personen nichts besseres zu tun, als ohne Rücksicht auf Verluste direkt abzufahren. Sie traten hierbei mehrfach Steine los und waren so freundlich uns zu warnen, was sie aber nicht davon abhielt, ihre rücksichtslose Speed-Abfahrt fortzusetzen. 
Rückblick: da haben wir uns hoch gekämpft. Der Abzweiger war bei den Latschen ganz unten.
Nach einer guten Stunde Schotter-Schlacht erreichten wir den Ausstieg aus dem Kar. Nach links führten Markierungen und Pfadspuren in die steilen Schrofen des Gipfelaufbaus. Wir querten am Hang nach oben, wobei man sagen darf, dass es sich nun eindeutig um Absturzgelände handelte. Einen Fehltritt sollte man sich ab diesem Punkt der Tour nicht mehr erlauben.
Weiter hinein in die Steilschrofen.

Eine der Querungen.
Auf etwa 2.000 m erreichten wir die Stahlseilversicherungen, die es auf der ursprünglichen Route nicht gegeben hatte. An einigen Stellen erleichterten sie den Aufstieg, an anderen Punkten waren sie fast im Weg. Es bleibt also Geschmackssache...😅
DF im Zustieg zum Drahtseil.

Ab hier mit Stahlseil. 😄
Pfiffig, steil und an manchen Stellen durchaus luftig leitete uns das Drahtseil weiter hinauf. Am Ausstieg, einer leicht überhängenden Stelle, versagten mir die Nerven, was an meinen vor Sonnencreme und Schweiß rutschigen Händen lag. Ich bekam nicht genug Zug auf das Stahlseil, um mich mit so viel Luft unter mir sicher nach oben zu rupfen. Nach drei Versuchen gab ich dieses Unterfangen auf und fand dank DF, der schon oberhalb stand, eine leicht ausgesetzte Schrofenquerung, die mich wieder auf den Normalweg brachte. 😅
Der "Weg" steilt deutlich auf.

Die Rinne von oben und unten. 

Diese Querung war eine äußerst luftige Angelegenheit.
Es folgte eine kurze Passage mit anspruchsvollerem Gehgelände, ehe wir uns in einem kleinen, rutschigen Schotterkar wiederfanden. Ich folgte brav den Markierungen, die in ekelhaften Rollsplitt-Serpentinen hinauf führten, während DF sich an der Felswand auf der rechten Seite hielt und dort deutlich besser Halt fand. Auf knapp 2.100 m führten die Markierungen aus dem Geröll heraus und in schönem, leichten Kraxel-Gelände, bei dem man durchaus auch das Gehirn anschalten musste, hinauf zum Gipfel. 😄
Etwas holpriges "Gehgelände".

Wir hatten lange keinen Schotter mehr...😅

Schöne Kletterei zum Gipfel. 😎
Um 11:30 Uhr und damit genau vier Stunden nach dem Abzweiger im Tal, standen DF und ich auf dem Gipfel des Lärcheggs. Ob dieser nun 2.123 oder 2.124 m hoch ist, darüber mögen sich die Gelehrten streiten! 😅
Trotz der hohen Frequentierung in der Aufstiegsroute hatten wir Glück und waren am Gipfel mutterseelenallein! 😎 
Die Aussicht von diesem eher kleinen Kaisergipfel war phänomenal. Im Norden konnte man bis zum Chiemsee sehen, im Süden bildeten Mauk- und Ackerlspitze einen natürlichen "Bilderrahmen" für die schneeweißen Gipfel der Hohen Tauern und im Westen reihten sich die Wände des Mitterkaisers, der Goinger Halten und der Karlspitzen hintereinander auf. Selbst das "Flimmerkistendach" konnten wir erkennen. 😍
Blick zum Chiemsee.

Mauk- und Ackerlspitze als "Bilderrahmen. 😊

Blick zum "Kleinen Törl".

Mitterkaiser, Goinger Halten und Karlspitzen hintereinander.

Freche Maskottchen am Gipfelkreuz. 😅

Team Stoffel auf dem Lärchegg.😁
Nach einer kurzen Gipfelrast machten wir uns vorsichtig an den Abstieg, der auf dem Aufstiegsweg erfolgte. Die oberste Stelle des Drahtseils umging ich wieder über die Schrofenquerung, auch wenn sie nach unten deutlich unangenehmer zu gehen war. Nach einer knappen Stunde standen wir am oberen Endes des Kleinen Griesener Tors und obwohl es bergab ging, der Untergrund und die Mittagshitze machten diesen Abschnitt zu einer zermürbenden Angelegenheit. Das Geschottere wollte einfach kein Ende nehmen und die halbe Stunde bis zum Zubringer in Richtung Fritz-Pflaum-Hütte zog sich wie eine gefühlte Ewigkeit in die Länge. 
Die brüchige Geländebeschaffenheit des Lärcheggs machte es während des gesamten Abstiegs fast unmöglich keine Steine loszutreten, ganz gleich wie vorsichtig und umsichtig man sich bewegte. 
DF im obersten Schotterfeld.

Mitten im großen Kar.

Zubringer erreicht! ✌
DF und ich machten innerlich drei Kreuze, als wir über den Zubringer aus der direkten "Schusslinie" querten und um 13:50 Uhr einen ganz normalen Weg unter unseren Füßen hatten. Endlich konnten wir wieder ausschreiten! 😆
Da wir einen Lückenschluss machen wollten, folgten wir dem Pfad zur Fritz-Pflaum-Hütte, auch wenn das bedeutete, dass wir noch einmal über 150 Höhenmeter aufsteigen durften. 😅
Der pure Luxus-Weg! 😅
Dank des guten Weges kamen wir deutlich flotter voran, während sich die wunderschöne Hochebene vor uns immer weiter öffnete. Doch trotz des einfacheren Geländes war jeder Schritt dank der brutalen Hitze eine Qual. Umso schöner war es, als wir um 14:00 Uhr an einem alten Schneefeld vorbeikamen. Diese Chance musste natürlich ergriffen werden! 😆
Team Stoffel im Schnee. 

Das war kälter, als es aussieht! 😅
Nach dieser willkommenen Abkühlung folgten wir den zahlreichen und gut platzierten Markierungen, bis DF und ich um 14:28 einen Wegweiser erreichten. Hier zweigte der nordseitige Aufstieg zur Ackerlspitze ab und man sollte laut Beschilderung eine halbe Stunde über einen schwarzen Weg bis zur Fritz-Pflaum-Hütte benötigen. Diese Zeitangabe kam es uns erschreckend lang vor und so machten wir die Probe aufs Exempel. 😅
DF im Zustieg zur Hütte.
Wir marschierten zügig weiter, ohne dabei zu rennen und hatten nach acht (!) Minuten die Selbstversorger-Hütte erreicht. Unser Bauchgefühl, dass die Zeitangabe etwas sehr großzügig war, hatte uns nicht getrogen. 😅 Auch die Einstufung des Weges als schwarzen Wanderweg fanden wir stark überzogen. Es gab keine steilen oder ausgesetzten Passagen, da man sich innerhalb der Hochebene bewegte. Der Weg war insgesamt etwas holprig, aber schwerer als Kategorie "rot" hätten DF und ich ihn nicht eingestuft. 😅
Die Fritz-Pflaum-Hütte kommt in Sicht.

Rückblick zum Lärchegg, das von der Sonne angeleuchtet wird. 
Wir gönnten uns eine Verschnaufpause an der Fritz-Pflaum-Hütte und genossen die Aussicht in Richtung des Kleinen Törls, ehe wir uns an den altbekannten Abstieg machten. Falls ihr zu diesem Weg mehr Infos möchtet, könnt ihr die bei unserer Mitterkaiser-Tour finden. 😉 Um 16:45 Uhr hatten uns das Tal und die Zivilisation zurück. 😄
Die Aussicht von der Hütte ist immer wieder herrlich. 😍

Das Video von DF werde ich hier natürlich verlinken. 😌


Fazit zur Tour:
Eins vorab: Falls es auf den Bilder warm aussah - es war wärmer! 🥵 Die extreme Hitze war bei dieser Tour definitiv eine besondere Herausforderung, aber dafür kann das Lärchegg nichts. 😅
Der Aufstieg zum Kleinen Griesener Tor ist deutlich ruppiger, als der Weg auf der anderen Seite des Mitterkaisers. Doch das machte auch seinen Charme aus. 😄 
Der eigentliche Aufstieg im Schotter zwischen Lärchegg und Gamsflucht war dagegen eine ätzende Plackerei - und das galt hinauf und hinab. 😕 Hinzu kam die dauernde Steinschlaggefahr, weshalb ich jedem nur nahelegen kann bei dieser Unternehmung einen Helm zu tragen! 
Einen Klettersteig bis Schwierigkeit C sollte man auch sicher beherrschen und mit luftigem, brüchigen Gelände keine Probleme haben! 😅 Dafür wird man auf dem Lärchegg mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. 😃
Alles in allem ist das Lärchegg ein anspruchsvoller Kaiser-Gipfel, der für den normalen Bergwanderer definitiv eine Nummer zu hart ist. Wer mit viel Schotter und Steilschrofen keine Probleme hat, findet bei diesem Berg garantiert einige schöne Momente! 😄

Bis zur nächsten Schandtat! 😉

Eure Katharina

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