Donnerstag, 29. August 2019

Eine Prise Abenteuer am Kramerspitz - der Panoramagipfel von Garmisch-Partenkirchen

Hi! 😀

Das Wetter war fĂŒr unser zweites Tourvorhaben recht unberechenbar gemeldet, weshalb wir uns fĂŒr eine weitere Bergwanderung entschieden. Eine anspruchsvollere Tour wĂ€re zudem mit mir an diesem Tag nicht machbar gewesen, da ich starke KrĂ€mpfe hatte. Gleichzeitig wollte ich nicht den ganzen Tag in der Ferienwohnung vergammeln, also musste ein Kompromiss her.
Die Lösung fand sich praktisch so gut wie hinter der HaustĂŒr unserer Wohnung in Form des Kramers oder korrekter der Kramerspitze (1.985 m). DF und ich fanden jedoch selbst bei einer roten Wanderroute an einer Stelle die Möglichkeit das ganze um eine schöne II-er-Kletterei zu erweitern. Doch dazu spĂ€ter mehr. 😅
Aussicht vom Wank in Richtung Wetterstein - die Wolken hÀngen tief...
Den Kramer und mich verband zudem eine ganz eigene Geschichte. Seit 2008 war ich bereits im Gebiet rund um Garmisch-Partenkirchen unterwegs und in dieser Zeit auch zwei Mal auf den Kramer gestiegen - und beide Male hatte ich...keine Sicht. 😑 Sobald ich in die NĂ€he des Gipfels gekommen war, hatte dort dicke Suppe geherrscht, so dass ich teilweise keine zehn Meter weit hatte sehen können. Als ich jedoch wieder unten im Tal stand, hatten sich die Wolken jedes Mal verzogen. Irgendwann fĂŒhlt man sich selbst von einem Berg gemobbt...😒
Und so war ein Ziel der diesjĂ€hrigen Tour, dass ich Aussicht vom Kramerspitz haben wollte - auch wenn DF dagegen gewettet hatte. Wie die Wette ausging? Lest selbst. 😁

Wir starteten erst gegen etwa 09:00 Uhr morgens, da es zuvor immer noch geregnet hatte. Unser erster Weg fĂŒhrte uns vom Berggasthof AlmhĂŒtte dem Kramerplateauweg entlang. Hierbei handelte es sich um einen breiten, geschotterten Weg, der sich am Fuße des Krames entlang schlĂ€ngelt.
An einem Wegweiser aus Holz, der mich stark an einen Totempfahl erinnerte, bogen wir links auf den Fahrweg zum Gasthaus St. MartinshĂŒtte auf 1.040 m ab. Diesen ging es gefĂŒhlt sehr lange, sehr steil und vollkommen unspektakulĂ€r nach oben. 

Nach dem Gasthaus wurde der Weg etwas schmaler und steiniger. Zum GlĂŒck fĂŒhrte er immer noch eine geraume Zeit im Wald in steilen Serpentinen nach oben, ehe er sich nach links am Berg entlang schlĂ€ngelte. Die "BrĂŒcke", die dort an einer Stelle den Weg verband, sah nicht mehr allzu vertrauenserweckend aus. 😅 
Der Weg wird allmÀhlich etwas spannender.


Die vertrauenserweckende BrĂŒcke...😹
Kurz darauf kamen wir zu einem der Highlights auf der Tour, der Felsenkanzel. Dass diese Plattform auch nach all den Jahren noch hielt, war fĂŒr mich immer ein RĂ€tsel. Auf jeden Fall bot sie schon immer Platz fĂŒr schöne Bilder. Da DF und ich die Felsenkanzel bereits von unserem Abstieg vom Königstand in 2018 kannten, hielten wir uns dort nicht allzu lange auf.
Die Felsenkanzel. 
Team Stoffel auf der Felsenkanzel. 😊

Und weiter ging es immer steil im Zick-Zack vorbei am Fels und durch Gras, bis wir vor der Abzweigung standen, an der es nach rechts zum nahegelegenen Königstand und nach links aufwÀrts zum Kramer ging.



Der weitere Weg.

Irgendwo in dieser Wolke stecke der Gipfel...
Kurz hinter diesem Punkt ĂŒberholten wir ein PĂ€rchen, das sich mit der Route offenbar ĂŒbernommen hatte. Wir sahen bereits nach kurzem wie sie umdrehten. Der Kramer mochte "nur" eine rote Wanderung sein, aber durch die GesamtlĂ€nge von knapp 14 km und dem steilen Anfang, der mich immer an den Hohen Fricken erinnerte, war die Route nicht zu unterschĂ€tzen. 
DF und ich marschierten langsam, aber stetig weiter, wobei der gute Weg nun immer mehr verschwand und sich in Rinnen voller Schutt und Wurzeln verwandelte. Dadurch war an ein schnelles VorwÀrtskommen zwischen den inzwischen vorherrschenden Latschen nicht zu denken.
Die Rinnen nach oben.

Eine der wenigen seilversicherten Stellen im Aufstieg.
Gegen 13:00 Uhr erreichten wir den Sattel zwischen Katzenkopf und Mittergern, wo wir auf dem breiten und grasigen Grat nach links abbogen. Die Pfadspuren waren sehr deutlich und nicht zu ĂŒbersehen. 
Oben auf dem Grat.
Und hier zeichnete sich zum ersten Mal auch etwas Hoffnung fĂŒr mich ab: Der Kramer war zuvor die gesamte Zeit dick in Wolken gehĂŒllt gewesen, so dass DF ordentlich gestichelt hatte. Doch nun sah es tatsĂ€chlich so aus, als wĂŒrden sich die Wolken auflösen. 😃


Der Gipfel wird sichtbar!!! 😁
Ab diesem Punkt begann ein lustiges Auf und Ab. Der Pfad schlĂ€ngelte sich zwischen den zum Teil abenteuerlichen Felsformationen am Grat entlang, wobei einige Stellen durch den Ammergauer QualitĂ€ts-Brösel ein wenig unangenehm zu laufen waren. 
Kurz unterhalb des Mittergern passierten wir ein abenteuerliches Felsenfenster, das uns einen wunderbaren Blick auf Garmisch-Partenkirchen und einen Kletterfelsen ermöglichte.


Das Felsenfenster.
NatĂŒrlich konnten DF und ich es nicht lassen und nahmen den Kletterfelsen, auf dem ein gut sichtbares Kreuz stand, genauer unter die Lupe. Schnell sahen wir, dass auf der bergzugewandten Seite Trittstifte angebracht worden waren, die es sehr angenehm gestalteten nach oben zu klettern. Auf der anderen Seite des Felsens war etwas unterhalb des Kreuzes sogar ein Wandbuch befestigt. Da uns dieser Abstieg zu riskant war, kletterten wir dort nicht ab und ließen das Wandbuch unbehelligt.
Der Kletterfelsen.

DF in seinem Element. 😃

Blick in Richtung Tal mit Wandbuch.

Schöne Kletterei - der gelbe Pfeil zeigt auf einen der Trittstifte.
WĂ€hrend dieser Erkundung gab es zudem noch eine Begegnung der dritten Art, ĂŒber die ich mich bis heute maßlos Ă€rgere. 😣
Zum Kletterfelsen, der sich unterhalb des Grates befand, musste man sich circa 20-30 m vom Hauptweg auf deutlichen Pfadspuren entfernen. Ich stand etwa in der Mitte, um DF aus der Distanz filmen zu können, als er nach oben kletterte.

Genau zu diesem Zeitpunkt nĂ€herte sich auf dem Hauptweg hinter mir eine Gruppe von drei Wanderern. Einer von ihnen wollte offenbar den Felsen fotografieren und beschwerte sich lautstark darĂŒber, dass DF an diesem klettere und ihm damit das Bild versauen wĂŒrde. 
DarĂŒber redeten sich die drei Personen dermaßen in Rage, dass im weiteren Verlauf SĂ€tze fielen wie:

"Muss das sein, dass man das Motiv so blockiert?"
"Man muss nicht ĂŒberall rumklettern!"
"Das ist unverantwortlich!"
"Wegen solchen Leuten muss die Bergwacht kommen!"
"Lasst uns schnell weitergehen, bevor wir auf den Heli warten mĂŒssen!" (Mein ungeschlagener Favorit!)

Ich möchte hier nicht auf jeden einzelnen Punkt eingehen, da es einfach nur haarstrĂ€ubend war. Ich hatte das GefĂŒhl, dass sie mich gar nicht bemerkt hatten. DF wirkte jedenfalls zu keinem Augenblick unsicher oder stolperte auf dem Felsen herum, da er insgesamt ein sehr bedachter Kletterer ist.
Weiterhin wĂ€re es mir neu, dass WandbĂŒcher, Gipfelkreuze oder Trittstifte ohne menschliches Zutun an diesen Felsen wachsen. Einen deutlicheren Nachweis, dass dort andere Personen ebenfalls herumklettern, konnte es kaum geben! 
Und zur Aussage mit dem Heli frage ich mich nach wie vor: Ist das vorsĂ€tzliche, unterlassene Hilfeleistung?! 
Was geht in dieser Gesellschaft schief, dass man Fotomotive fĂŒr sich privat zu pachten scheint und jedem, der einen stört, dann sonst etwas an den Hals wĂŒnscht?! Ich finde es nach wie vor unbeschreiblich, dass solche Äußerungen gefallen sind, die fĂŒr mich eine nicht nachvollziehbare Egozentriertheit und Bösartigkeit sichtbar machen. 
Ganz ehrlich, wenn etwas passiert, ist jeder zum Helfen verpflichtet - man möchte doch auch selbst, dass einem geholfen wird! Und nur weil ich persönlich finde, dass eine Person etwas nicht tun sollte, bedeutet dies nicht, dass ich die Hilfe versagen kann! Soviel zur ach so sozialen und menschlichen Gesellschaft! 😑
Grat-Panorama (Blick zurĂŒck).
Nach diesem kleinen Kletterausflug ging es fĂŒr DF und mich weiter zum Mittergern (1.834 m), wobei wir nicht bis zum vorgelagerten Gipfelkreuz gingen, da dies extremen Latschenkampf bedeutet hĂ€tte. 😅
Der Weg fĂŒhrte zu einem Zwischengipfel mit einem Gedenkkreuz und danach begann eines er gemeinsten StĂŒcke auf dem Weg zum Gipfel des Kramers - ein Abstieg von knapp 50 Höhenmeter in eine Senke, um einen Nebengipfel umgehen zu können. Besonders angenehm war der Abstieg durch den hochqualitativen Rollsplitt, der sich praktisch ĂŒberall auf dem Weg befand. So Ă€tzend dieser Part der Route auch war, so faszinierend waren gleichzeitig die Ausblicke und die dortigen Felsen.
Das Gedenkkreuz am Zwischengipfel.
Der Kramer zum Greifen nahe - doch erst ging es noch einmal bergab (Weg rechts im Bild).
Gegen 14:20 Uhr erreichten wir den Gipfel  - und hatten vollkommen freie Sicht!!! 😁 Damit hatte ich meine Wette gewonnen und frei nach dem Motto "Aller guten Dinge sind drei" auch endlich meinen Aussichtslogenplatz. 😊 Am Gipfelkreuz selbst war leider die Hölle los.
Am Gipfelkreuz vom Kramer.
Drei Frauen hatten das Gipfelbuch vollkommen in Beschlag genommen und blĂ€tterten es Seite fĂŒr Seite durch. Nachdem ich fast eine halbe Stunde gewartet hatte, habe ich sie angesprochen, ob ich es kurz fĂŒr einen Eintrag haben dĂŒrfte. Sie waren ganz erstaunt, hĂ€ndigten es mir dann aber aus - und kaum war ich fertig, meldeten noch ein paar andere Wanderer Interesse am Buch an. 
[Achtung: Moralapostel-Modus ON!] Dazu möchte ich kurz loswerden: Wenn ihr alleine am Gipfel seid, könnt ihr das Buch von mir aus gerne im Detail studieren. Wenn sich dort aber noch andere hingequÀlt haben, finde ich es eine UnverschÀmtheit, das Buch die ganze Zeit zu vereinnahmen und anderen so den Zugriff zu verwehren. [Moralapostel-Modus OFF]

DF und ich machten uns danach zĂŒgig an den Abstieg, der zu Beginn auch wieder auf unserem heißgeliebten Ammergauer Schotter stattfand. Seit dem Grat vom Friederspitz hat DF unerklĂ€rlicherweise eine regelrechte "Allergie" gegen diese schöne Weggestaltung entwickelt. An einigen Stellen waren die Stahlseile durchaus begrĂŒndet, fĂŒr weniger trittsichere Personen.
Der "wunderschöne" Abstieg.

Der Weg wird wieder angenehmer zu laufen.
Um ein wenig Strecke zu sparen, gingen wir nicht komplett den Weg bis zur Stepbergalm, sondern zweigten vorher links ab auf einen kleinen Trampelpfad. Dadurch hatten wir zwei Kilometer weniger zu laufen, wofĂŒr mein immer stĂ€rker krampfender Bauch sehr dankbar war. 😟

Der Rest des Abstiegs vom Kramer kann nur als eins bezeichnet werden: lang, mit Gegenanstiegen, steil und gefĂŒhlt endlos! Recht unspektakulĂ€r ging es meist am Hang entlang und im Zickzack zurĂŒck zum Parkplatz. Erst direkt vor dem Parkplatz schlich sich mir ein kleines Highlight vor die Linse.
Wie beruhigend...
Es war bereits 18:00 Uhr, als DF und ich wieder unser Auto erreichten. Das lag aber schlichtweg daran, dass ich aufgrund meiner Schmerzen immer wieder Pausen gebraucht hatte.

Fazit zur Tour:
Endlich hatte ich meine Aussicht auf das wunderschöne Wettersteinmassiv! Es hat sich gelohnt, sich ein drittes Mal auf den Kramer zu "quĂ€len". 😄
Der Kramer mag nur eine rote Tour sein, wartet aber mit einigen ausgesetzteren Stellen und schönem, rutschigem Schutt auf. Eine gewisse Trittsicherheit sollte man also mitbringen.
Außerdem ist die Tour mit ihren etwa 14 km und 1.200 Hm recht fordernd und verlangt einem einiges an Kondition ab.
Das kleine Highlight war der Kletterfelsen, da es viel Spaß gemacht hat, an diesem herum zu turnen. 
Insgesamt kann ich sagen, dass die Rundtour fĂŒr halbswegs trainierte Personen durchaus machbar ist, zumal man wĂ€hrend dem Abstieg noch einmal gut in der Stepbergalm einkehren kann, um Kraft zu tanken. 😉

Das Video von DF werde ich natĂŒrlich hier verlinken. 

Bis zur nÀchsten Schandtat!

Eure Katharina

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